Gartner skeptisch gegenüber Microsofts Versprechen
28.02.2008
Gartner rät Open-Source-Entwicklern, sich nicht auf eine kooperative Lizenzpolitik Microsofts zu verlassen. Allen Anwendern und Distributoren empfehlen die Marktforscher, der Open-Source-Richtung Aufmerksamkeit zu schenken.
Gartner rät Open-Source-Entwicklern, die Dokumentation von Microsoft nur zu benutzen, wenn sie genug Kapazitäten zum Prüfen der Patentsituation haben. Wenn sie die Dokumentation benutzen, sollten sie den Code separat von anderen Quelltexten halten. Damit schützen sie spätere Anwender und Weiterentwickler vor eventuellen Klagen. Allen Anwendern und Software-Händlern empfiehlt Gartner, nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Open-Source-Konsortien Ausschau zu halten. Interesse solle man auch dem Interoperability Lab der Redmonder entgegenbringen, weil das deutsche Linux-Unternehmen Novell und Microsoft hier zusammenarbeiten.
Die Analyse der Meinungsforscher empfiehlt zudem, von Microsoft zu fordern, dass es nicht nur jedes Protokoll nach den Bedingungen des sogenannten Reasonable and Non Discriminatory Licensing (RAND) offenlegt, sondern auch den konkreten Preis benennt, der bei Implementierung der Doku anfiele. Dann gäbe es zumindest einen Maßstab für Microsofts Open-Source-Policy, lautet Gartners Begründung. Die RAND-Lizenzbedingungen ermöglichen einerseits Restriktionen wie Bezahlpflicht, postulieren aber andererseits die grundsätzliche Zugänglichkeit der Dokumentation für jeden Implementierungswilligen.
Gartner hält Microsofts Versprechen der öffentlichen Zugänglichkeit (wir berichteten) zu APIs und Protokollen für einen Richtungswechsel bei Microsoft in Richtung Interoperabilität. Zwar werde diese Welle nicht das ganze Unternehmen durchfluten, aber im Zuge von Manager-Wechseln beispielsweise hält Gartner bei Microsoft eine prinzipielle Änderung der Einstellung für möglich.
Microsoft stand allerdings unter dem starken rechtlichem Druck der EU-Anklage (siehe die Meldung auf Linux-Magazin Online zur Geldstrafe für Microsoft).
Auch Gartner meint, der Schritt in Richtung Offenlegung sei keine altruistische Entwicklung. Denn Microsoft schafft sich selbst damit strategische Vorteile, führen die US-Marktforscher aus: Mit den APIs und Protokollen wird Microsoft Open-Source-Entwickler dazu verlocken, quelloffene Software auf Windows zu portieren, die bisher Linux vorbehalten war. Außerdem wird es Microsoft leichter haben, Windows zu einer blühenden Plattform zu erweitern. Es wird zum Beispiel mehr Anwendungen geben, die wie Word oder Powerpoint aussehen. Dem steht allein entgegen, dass die Lizenzbedingungen von Microsofts Zutaten freie Lizenzen behindern. Das könnte die Open-Source-Entwickler demotivieren, so Gartners Analyse.
(Anika Kehrer)
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