GUUG-Fachgespräch: Wie Sun die RZ-Architektur von morgen sieht
14.03.2008
Sun Microsystems hat zwei Referenten entsandt, die auf dem Frühjahrsfachgespräch der German Unix User Group (GUUG) eine neue Rechenzentrumsarchitektur vorstellten.
Die Idee entwickelte Sun ausgehend von den Anforderungen eines Beispielkunden. Die Rahmenbedingungen waren demnach unter anderem Standardkomponenten, nicht-komplexes Design, Stromsparsamkeit, Plattformneutralität und Open-Source-Software. Außerdem sollte die Storage im Netzwerk realisiert sein, kein SAN vorkommen und die Server sollten keine lokalen Platten besitzen.
Die Überlegungen führten zu folgenden Lösungselementen: Man würde mit Virtualisierung arbeiten, hard- und softwarebasierte Loadbalancer einsetzen und die Sicherheit mit VLAN-Tagging, IPsec und Hard- beziehungsweise Softwarefirewalls gewährleisten. Für die Storage würde man mit einer Vielzahl Festplatten arbeiten, das Dateisystem ZFS einsetzen und für die Anbindung ans Netz entweder NFS, CIFS oder iSCSI benutzen. Die daraus entstehende Architektur hat um die zentrale Ethernet-Wolke des Firmennetzwerks einen Ausgang auf einen Storage-Bereich, der über NFS oder iSCSI angebunden wird. Das Ethernet besitzt einen weiteren Ausgang auf die virtuellen Maschinen.
Auf diese Weise werde die Implementation eines SANs komplett eingespart, was laut der Vortragenden die entscheidende Neuerung dieser "Architektur von morgen" sei. Außerdem sei der Konsolidierungs- und Einspareffekt hoch, weil der Betreiber eines solchen Rechenzentrums weder lokale Platten benötigt noch Host-Bus-Adapter für das SAN.
Die von Sun vorgestellte Architektur eigne sich für Anwendungen im Rahmen eines Mobilfunk-Rechenzentrums, nicht jedoch zum Beispiel für Datenbankserver. So schränkte Matthias Pfützner, einer der Referenten, die Aussagen in der Fragerunde nach dem Vortrag ein, als ein Zuhörer wissen wollte, für welche Anwendungsszenarien die neue Architektur geeignet sei.
"Das ist Low-Tech aus meiner Sicht", kommentierte ein Teilnehmer am Rande der Vorträge gegenüber Linux-Magazin Online. Der Besucher arbeitet beruflich mit HPC-Clustern und fand Suns Idee der neuen RZ-Architektur zwar sehr interessant. Es stelle sich aber die Frage, wie sich gute Performance erreichen lasse mit CPU-Festspeicherzugriffen von plattenlosen Servern. "Schauen wir mal, wie sich die Idee in fünf Jahren darstellt", schloss der Fachgesprächsbesucher.
Auch die Rolle des Open-Source-Betriebssystems erwies sich als revisionsbedürftig. Suns Referenten Matthias Pfützner und Tobias Esser arbeiteten in ihrer Präsentation mit Open Solaris. Sie berichteten, mit Linux sei es bei einer vergangenen Live-Migration mit der xVM-Virtualisierungstechnologie zu Instabilitäten gekommen. In der Fragerunde wandte ein Zuhörer ein, Open Solaris sei für geschäftliche Produktivumgebungen derzeit nicht geeignet: Es gäbe keine Patches. Pfützner verwies daraufhin auf das Sun-Projekt Indiana (siehe das Indiana-Portrait in der online verfügbare Projekteküche im Linux-Magazin 01/2008). Indiana hat zum Ziel, die xVM-Funktionalitäten in Opensolaris zu implementieren. Pfützner schränkte die Brisanz des Problems auch ein, denn es laufe schließlich "nur ganz unten", also unterhalb der Virtualisierungsschicht. Da sei es leichter, Probleme zu lösen, sagte er.
Das Verhältnis zwischen dem Indiana-Projekt und Open Solaris hatte bei der Open-Source-Community von Sun für Zündstoff gesorgt, als Roy Fielding das Opensolaris-Projekt mit dem Vorwurf verließ, Sun mische sich aus Marketinggründen zu sehr bei Open Solaris ein (Linux-Magazin Online berichtete)
Matthias Pfützner ist Mathematiker und arbeitet seit zehn Jahren bei Sun, derzeit als Solution Architekt. Der zweite Referent, Tobias Esser, ist 2001 zu Sun gestoßen und wirkt dort derzeit als technischer Architekt mit, unter anderem für Rechenzentrumslösungen.
(Anika Kehrer)
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