Mit mehr als drei Monaten Verspätung will die Free Software Foundation FSF heute um 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) in Boston die dritte Version der GPL verabschieden.
Nach einer Videobotschaft ihres Gründers Richard Stallman, die auf der Webseite der Free Software Foundation übertragen wird, sollen die Sektkorken knallen. Insgesamt achtzehn Monate stand die GNU General Public License öffentlich zur Diskussion und wurde in dieser Zeit mehrfach überarbeitet. Seit Ende Mai standen die letzten Änderungen im Internet zur Begutachtung. Diese betreffen im Wesentlichen die Kompatibilität mit der Apache Lizenz, bessere Berücksichtigung internationaler Regelungen und eine umstrittene Ergänzung, mit der künftige Vereinbarungen analog zu der zwischen Microsoft und Novell verhindert werden soll.
Auch in der Open-Source-Szene ist die neue Version der GPL heftiger Kritik ausgesetzt. So hatte beispielsweise Linspire-Chef Kevin Carmony die Befürchtung, dass die GPL v3 der Verbreitung von Linux auf dem Desktop schaden könne. Auch Linux-Gründer Linus Torvalds hatte Vorbehalte gegen die neue Version geäußert. Richard Stallman lieferte Gegenargumente und wirbt in einem Essay auf den Webseiten für ein Upgrade von der zweiten Fassung auf die neue Version.
Sechzehn Jahre gab es die GPL in ihrer zweiten Version, aktuell verwenden mehrere tausend Softwareprojekte weltweit diese Lizenz. Nun wird mit Spannung erwartet, welche Softwareprojekte auf die dritte Version umstellen werden. Die neue Version kann nicht rückwirkend für bereits veröffentlichte Software genutzt werden, aber ab heute können neue Patches und Updates unter der GPL v3 lizensiert werden. Für die vielen Projekte, die direkt unter der Verwaltung der FSF stehen, wird das auch geschehen. Der Jurist Eben Moglen, Mitautor der GPL v3 und Vorsitzender des Software Freedom Law Center, kündigte bereits an, dass er und viele seiner Klienten die GPL v3 nutzen werden.
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