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GNU Compiler Collection GCC in C++

Schwer wartbar, komplex, ineffizient - so in etwa sieht der Google-Entwickler Ian Lance Taylor den in der Programmiersprache C geschriebenen Code des GNU Compiler Collection. Er möchte ihn gern neu schreiben, diesmal in C++.

Eine GCC-Implementierung in C++ hätte viele Vorteile. Das behauptet Taylor und führt in einem Vortrag (Slides als pdf) auf dem GCC-Summit in Ottawa die Gründe für seine Behauptung auf: C++ sei eine standardisierte, gut bekannte und sehr populäre Programmiersprache, die genauso effektiv sei wie C, dabei aber übersichtlicher sei. Außerdem sei der Code viel sauberer.

In seinem Vortrag begegnet Taylor auch möglichen Vorurteilen gegenüber dem Wechsel zu C++. So sei die Programmiersprache hinsichtlich der Geschwindigkeit mit C auf der gleichen Höhe, zumindest wenn keine Features benützt würden, die nicht auch in C enthalten sind. C++ sei in einigen Fällen sogar schneller als C. Als Beispiel führt der Entwickler STL-Funktionen an. Dem Vorurteil, die Free Software Foundation (FSF) würde C++ nicht mögen, setzt er entgegen, dass die Organisation nicht für den Code zuständig sei.

Taylor hat nun einen neuen Branch geschaffen, um den Compiler testweise in C++ umzuschreiben. Der neue Zweig ist vorerst experimentell und soll den üblichen Maintainer-Regeln folgen, schreibt der Entwickler in einer Mail. Die ersten Patches will er in Kürze einbringen.

(Jan Rähm)
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Kommentare (4)
von
Nils Magnus,
24.06.2008 11:22
Auch C++ hat seine Berechtigung
Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, C++ sei als Programmiersprache gescheitert. Es gibt eine Menge Beispiele, in denen C++ einen deutlichen Vorteil gegenüber C hat. Man sehe sich dazu nur einmal KDE und GNOME an: Dort ergibt eine objektorientierte Programmiersprache, so wie KDE sie verwendet, richtig Sinn. Manchmal mutet es schon etwas tragigkomisch an, wenn man sich anschaut, wie Gtk die objektorientierten Features "nachprogrammiert". Ich meine damit nur: Für jedes Projekt seine Sprache. Wenn es je eine GCC mit allen Features in C++ implementiert gibt, wäre ich der Letzte, der das kritisieren würde. Allein glaube ich nicht daran, dass das in der näheren Zukunft passieren wird.
von
Jack Black,
23.06.2008 20:00
Noch was: g++ besser
und natürlich hat sich seit vor 10 Jahren der GCC-C++-Compiler verbessert.

Übrigens ist C++ inverschiedenen Statistiken die meist verwendete Programiersprache. Mir scheint eher, die Vorbehalte C++ gegenüber sind 10 Jahre alt

von
Jack Black,
23.06.2008 19:57
Nicht gescheitert
LLVM ist in C++ geschrieben und nicht gescheitert.
von
Nils Magnus,
20.06.2008 15:12
Bin da eher skeptisch
Eines vorweg: Ich bin neuen Dingen positiv aufgeschlossen gegenüber, wenn sie denn etwas bringen.

Ich frage mich aber, ob der Plan, die komplette GCC in C++ zu implementieren, realistisch ist.

1/ Andere Versuche dieser Art müssen als gescheitert gelten. Prominentestes Beispiel ist der Linux-Kernel. Das ist zwar zugegebenermaßen eine gefühlte Dekade her, aber die Etwickler waren mit dem erzeugten Code soi unzufrieden, dass sie zurückportiert haben. Hat sich der g++ seither signifikant verbessert?

2/ Der Zeitaufwand ist immens, wenn man den kompletten Compiler refaktorieren und neu schreiben wollte. Und, in diesem Punkt bleibt Taylor etwas nebulös, ich will doch nicht hoffen, dass er die aktuelle Codebase als C++-Code sehen will und dann Stück für Stück ihn portieren will? Das wäre meiner Ansicht zum totalen Scheitern verurteilt. Ein komplettes Rewrite hingegen taxiere ich auf mindestens zwei Real-Jahre.

3/ Eine wichtige Frage lässt Taylor aus, und die ist nicht technisch: Vielleicht wollen die Entwickler gar kein C++ benutzen. Wenn C++ "just another programming language" wäre, wieso gibt es dann so erbitterte Grabenkämpfe zwischen C++ und Java, Perl und Python oder PHP und Ruby?

Mein Fazit: Ich wünsche ihm viel Glück, aber möchte lieber erst mal Ergebnisse sehen.