Open Source im professionellen Einsatz

Freies Smartphone Librem 5 erreicht Crowdfunding-Ziel

10.10.2017

Purism hat das eher niedrig gesteckte Funding-Ziel für das freie Smartphone Librem 5 erreicht. Ob jemals Android Apps auf dem Gerät laufen werden, ist aber fraglich.

362

Einfach war es nicht: Trotz des vergleichsweise geringen Funding-Ziels von 1,5 Millionen US-Dollar (Ubuntu wollte für sein Edge Smartphone 20 Mal so viel Geld einsammeln, 32 Millionen US-Dollar) dauerte es etwa sechseinhalb Wochen, um das Finanzierungsziel zu erreichen. Nun hat es aber geklappt und Purism kann sein Librem-5-Smartphone bauen. Dem Projekt bleiben sogar noch 13 weitere Tage, um Geld einzusammeln und einige Stretch Goals zu erreichen.

Es ist nicht der erste Versuch, ein Smartphone mit einem alternativem Betriebssystem auf den Markt zu bringen. Das erklärt vermutlich auch, warum Investoren recht zögerlich reagieren. Selbst kommerzielle Anbieter mit Kapital im Hintergrund tun sich schwer. Microsoft hat gerade Windows 10 Mobile beerdigt, Samsungs Tizen läuft auf bislang nur auf einigen Smartphones in Indien und auch Jollas Sailfish OS ist bislang kein Verkaufsschlager. Im Open-Source-Bereich hat Ubuntu sein hauseigenes Mobilsystem eingestampft, auch um Firefox OS ist es ruhig geworden.

Investoren sollen das Librem 5 im Januar 2019 erhalten (Quelle: puri.sm)

Nun ist es nicht so, dass die Welt keine Alternative zu Android und iOS brauchen würde, sie scheint nur schwer umsetzbar. Purism wählt für Librem 5 von vornherein einen etwas radikaleren Ansatz: Das Smartphone soll keine Daten sammeln und verspricht den Nutzern Sicherheit und Verschlüsselung. Die Hardware ist selbst entwickelt und soll möglichst offen sein. Unfreie Firmware will das Projekt möglichst per Reverse Engineering nachträglich öffnen. Zudem arbeitet ein I-MX-6- oder -8-CPU auf dem Gerät, die auf binäre Blackboxes verzichtet. Auf dem Gerät soll als Betriebssystem Pure OS zum Einsatz kommen, kommuniziert werden soll unter anderem über das Ende-zu-Ende-verschlüsselte und dezentrale Matrix. Die Kamera, das Mikro, Wifi, Bluetooth und Baseband lassen sich per Hardware-Switch abschalten.

Ein Stretch Goal wäre laut FAQ der Support für Android Apps. Sollte man das Ziel von 10 Millionen US-Dollar erreichen, wäre der Plan, Android Apps in isolierten Containern laufen zu lassen. Das würde dem Smartphone sicherlich eine größere Zielgruppe bescheren, scheint aber im Hinblick auf die bisherige Funding-Entwicklung eher unrealistisch. Tatsächlich wäre wohl schon viel gewonnen, wenn die Investoren ab Januar 2019 ein Smartphone von Purism erhalten, dass die versprochenen Grundfunktionen möglichst fehlerfrei umsetzt.

Ähnliche Artikel

  • KDE und Purism wollen offenes Smartphone bauen

    KDE und der auf freie Hardware spezialisierte Hersteller Purism wollen gemeinsam das „weltweit erste freie Smartphone“ bauen. Das Smartphone Librem 5, das Purism derzeit per Crowdfunding finanzieren will, dient als Basis.

  • Auch Gnome Foundation unterstützt Purism-Smartphone

    Hardwarehersteller Purism sammelt derzeit Geld für die Produktion eines offenen und sicheren Smartphones namens Purism. Dieses Projekt unterstützt nach KDE jetzt auch die Gnome Foundation aktiv.

  • Pure Libre 15 Laptop: Fast frei

    Das Purism Libre 15 soll ein Laptop mit freier Hardware und Software werden und hat dafür erfolgreich Geld im Funding eingesammelt. Hunterprozentig frei ist die Hardware aber noch nicht.

  • Sicheres Qubes OS zertifiziert Hardware

    Die Laptop-Bauer von Purism arbeiten mit den Machern des sicheren Betriebssystems Qubes zusammen, um einen möglichst Blob-freien Laptop zu erhalten, der zugleich hohe Sicherheitsstandards erfüllt.

  • Rück-Sicht 40/17

    In der letzten Woche machte zweimal das Projekt eines freien Smartphones von sich reden, dass der Laptophersteller Purism aus San Francisco realisieren will, falls eine Crowdfundingkampagne das finanziert. Und denanach sieht es nun aus: Die eingeworbenen Gelder überschritten die Eine-Million-Dollar-Marke, wie  betanews melden.

comments powered by Disqus

Ausgabe 11/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.