Open Source im professionellen Einsatz

Freies DMS Agorum Core für Linux-Server

10.04.2008

Die Firma Agorum hat ihr Document-Management-System (DMS) Agorum Core jetzt als Linux-Server-Version zur Verfügung gestellt. Linux-Benutzer arbeiten via Weboberfläche damit. Für Windows gibt es einen Client.

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Das Dokumenten-Management-System Agorum Core verfügt über eine so genannte Laufwerkschnittstelle und damit über die Funktion, ein Dokumentenverzeichnis auf dem Server wie ein Samba-Laufwerk zu mounten. Der Benutzer bearbeitet hier abgelegte Dokumente mit seinen lokalen Anwendungen. Management-Funktionen wie Textindizierung und Format-Export übernimmt ein eigenes Open-Office-Paket in Agorum Core. Linux-Benutzer nutzen die Agorum-DMS-Funktionen wie Suche oder Verschlagwortung über eine Weboberfläche. Einen Client-Oberfläche gibt es nur für Windows. Die Softwarehersteller haben die GPLv2-Software mit Opensuse 10.3, SLES 9 und 10, Fedora 8, RHEL 5 sowie Debian Etch 4 getestet. Notwendige Vorbereitung ist unter anderem die Installation eines VNC-Servers.

Für Agorum Core gibt es kommerzielle Zusatzmodule. Nicht vorhanden in der freien Version ist zum Beispiel ein Adapter-Modul, mit dem der Admin in Agorum Samba-Laufwerke einbinden kann. Die MySQL-Datenbank, mit der Agorum die Dokumente verwaltet, könnte dann auch Verweise auf an anderen Orten abgelegte Dokumente enthalten. Weitere käufliche Zusatzfunktionen wie LDAP-Synchronisation und Kurzzeitbackup sind in der Funktionsübersicht gelistet.

Die Weboberfläche Desk4web, mit der Linux-Nutzer das Programm nutzen, ist nicht neu. Sie war schon 2004 Teil der gleichnamigen, käuflichen Kollaborationssoftware für Linux (darüber gibt es einen Kurztest im Online-Archiv des Linux-Magazins). Von damals rühren die Teamwork-Funktionen wie Kalender und E-Mail. Hinzugekommen ist das Dokumentenmanagement in Form von Versionierung, Verschlagwortung oder Backup.

Nicht ganz transparent ist auf den Webseiten von Agorum, dass - laut Agorum-Geschäftsführer Rolf Lang - die Workflow-Funktionalitäten wie Prozesssteuerung und Freigaben in Agorum Core noch gar nicht implementiert seien. Dies soll in vier Wochen geschehen, wenn das quelloffene Workflow-System Bonita in Agorum Core eingebaut ist.

Ein Linux-Client sei nicht geplant, sagte Rolf Lang im Gespräch mit Linux-Magazin Online: "Von Agorum-Seite aus wird es das nicht geben. Das Problem ist, dass es sehr viele Derivate gibt, wie Gnome oder KDE. Wir haben dafür zu wenig Know-how. Der Sourcecode vom Windows-Client wird aber veröffentlicht. Wenn jemand aus der Community einen Linux-Client schreiben will, wäre das super."

Die baden-württembergische Software-Firma kommt mit der Offenlegung ihres DMS ihrer Ankündigung vom Januar nun nach (wir berichteten). Gemäß der damaligen Aussage sollte das DMS quelloffen werden, in dem es in einem ersten Schritt eine einfache Installationsversion und in einem zweiten die Quellversion gibt. Der erste Schritt ist getan. Zu Linux-Magazin Online sagte Rolf Lang, dass der Quellcode in etwa acht Wochen fertig sei. Die Firma will das GPLv2-Projekt bei Berlios hosten. Wolle man die freie Software in proprietäre Software einbinden, bestehe die Möglichkeit einer Duallizenzierung, sagte Lang.

Der Agorum-Core-Linuxserver, der Windows-Server sowie der Windows-Client stehen zusammen mit der bisherigen Dokumentation bei Agorum auf den Webseiten bereit. Die Dokumentation umfasst zur Zeit ein Benutzer- und ein Administrationshandbuch sowie ein Entwicklerhandbuch, das etwa den XML-Parser beschreibt. Damit lassen sich Erweiterungen für das DMS schreiben. Vorhanden ist ferner ein Forum und ein Bug-Tracking-System. Weitere Software-Dokumentation sowie Roadmap und Changelog sollen laut Rolf Lang bei der Sourcecode-Veröffentlichung vorliegen.

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