Open Source im professionellen Einsatz

Freedom Box 0.2: Totgesagte leben länger

13.05.2014

Ende August 2012 erschien Version 0.1 der Freedom-Box-Software. Danach gab es zumindest auf der Webseite keine Lebenszeichen des Projekts mehr. Doch nun gibt es Version 0.2 der Software.

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Kurz nach der Ankündigung des Indie-Box-Projekts (Linux-Magazin berichtete), taucht mit der Freedom Box überraschend ein Projekt wieder aus der Versenkung auf, das ebenfalls die Daten der User zurück nach Hause holen möchte. Auf der Webseite steht Version 0.2 der Software zum Download bereit, die auf dem Dream-Plug, dem Raspberry Pi und in der Virtualbox laufen soll.

In gewisser Weise war Eben Moglens Freedom-Box-Projekt seiner Zeit auch voraus: Mit einem Plug-Server (dem Dream-Plug), der an einer Steckdose hängt, wollen die Macher dem User die Privatsphäre zurückgeben. Zum Gesamtpaket der Freedom Box gehören sichere E-Mail und Telekommunikation, eine zensurresistente Plattform, Tools für Demokratie-Aktivisten und die Möglichkeit auch in Krisenfällen noch zu kommunizieren.

Fällt das Internet aus oder wird es von Regimen zensiert, soll die Box gar als Mesh-Knoten funktionieren und so die Kommunikation aufrecht erhalten. Als Software soll Debian auf der Freedom Box laufen, das Tor-Netzwerk verbindet die einzelnen Knoten miteinander  - so zumindest lautet die Idee hinter  Freedom-Buddy.

Schnecken-Box

Die Idee einer Freedom-Box kam gut an, und Mitte 2011 wurde die Entwicklung der Box mit rund 87 000 US-Dollar crowdfinanziert. Doch die Kickstarter-Unterstützer brauchen offenbar einen langen Atem: "Wenn wir unser Ziel erreichen, hoffen wir, die erste Version der Software in sechs Monaten zu veröffentlichen.", hieß es damals im Begleittext zur Crowdfunding-Aktion. Tatsächlich dauerte es mehr als ein Jahr bis zur Version 0.1 und dann nochmal etwa 19 Monate bis zur aktuellen Version 0.2.

In dieser kann der Nutzer über Plinth auf eine Reihe laufender Systeme auf dem Gerät zugreifen. Dazu gehören Pagekite, ein XMPP-Chat-Server, die lokale Netzwerk-Administrationsoberfläche sowie einige Diagnostik- und Konfigurationstools. Auch Owncloud lädt Plinth herunter und installiert es. Version 0.2 zieht zudem Tor aus dem Netz und installiert es als Bridge. Das hilft zwar dem Tor-Netzwerk, weil so zusätzliche Knoten entstehen (wenn auch keine Exit-Nodes), aber nicht unbedingt dem User selbst, wenn dieser seinen Traffic nicht explizit über das Tor-Netzwerk leitet. Die für die Freedom-Box verfügbare Software (etwa Pagekite, Plinth und Owncloud) steckt nun zudem offiziell in Debians Paketrepositories für Jessie.

Nicht zuletzt läuft die Software inzwischen auf dem Raspberry Pi und in der Virtualbox. Sowohl der Skole-Linux-Entwickler Petter Reinholdtsen als auch Debians Bdale Garbee möchten mehr Zeit in das Projekt investieren. Es könnte also noch passieren, dass die Freedom Box vor dem Berliner Flughafen BER fertig wird.

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