Sechs ausgewählte Teilnehmerinnen erhalten demnach ein Stipendium von 5000 US-Dollar, um drei Monate lang in die Kernel-Entwicklung zu schnuppern. Intel und die Linux Foundation finanzieren jeweils drei Plätze. Voraussetzung für eine Bewerbung ist jedoch, dass die Kandidatinnen bereits Patches an die Kernelentwickler geschickt haben und diese akzeptiert wurden.

Sarah Sharps Erwartungen waren in der Tat eher zurückhaltend, wie sie selbst in ihrem Blog schreibt: "Everyone knows that kernel maintainers are the pickiest bastards^Wperfectionists about coding style, getting the proper Signed-off-by, sending plain text email, etc." Mit anderen Worten: Kernelentwickler sind bekanntlich schnell schlecht gelaunt, wenn jemand sich nicht pedantisch an die Regeln der Mailingliste hält, was Neulinge häufig abschreckt.

Aus diesen Gründen erwartete die bei Intel angestellte Kernel-Hackerin ein bis zwei fertige Patches - und irrte sich gewaltig: Tatsächlich wurden von 41 Bewerberinnen 374 Cleaning-Patches für Staging-Treiber eingereicht, von denen Greg Kroah-Hartman 133 für den Mainline-Kernel akzeptierte. Vier weitere Patches landeten im Xen-Tree. Nach fünf Tagen reichten die Teilnehmerinnen zudem saubere Patchsets ein.

Als Gründe für den Erfolg des Programms, das sich auch an Gender Queers und Fluids richtet, sieht Sharp drei Faktoren: starke Bewerberinnen, detaillierte Tutorials sowie ermunternde Mentoren. Am First Patch Tutorial hat Sharp selbst gebastelt, das dürfte auch andere Entwickler interessieren, die Interesse an Kernel-Entwicklung zeigen. Zudem wurde ein "Safe Place" für die Praktikantinnen geschaffen, also Kommunikationskanäle über die sie auch einfache Fragen äußern durften ohne ein "RTFM" zurück zu bekommen. Am 27. Mai erhalten dann die sechs herausgepickten Bewerberinnen eine Rückmeldung, eine nächste Förderrunde soll im Dezember starten.