Open Source im professionellen Einsatz

Fosdem 2017: Livestreams helfen

05.02.2017

Es ist die mittlerweile 17. Fosdem und grob geschätzt pilgerten in diesem Jahr erneut um die 8000 Menschen nach Brüssel, vielleicht noch ein paar mehr als im letzten Jahr. Auf die zum Teil überfüllten Hörsäle reagieren die Veranstalter erstmals mit Livestreams.

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Die Zahl der Besucher entspricht einer vorsichtigen Schätzung von Gerry Demaret, einem der 15 bis 20 Organisatoren der Konferenz. Er ist seit 2005 dabei, die Konferenz startete als Osdem im Jahr 2000. Die Fosdem-Veranstalter sammeln keine Daten über ihre Besucher. Da der Eintritt kostenlos ist, gibt es auch kein Ticket-System, lediglich die WLAN-Nutzung und die Essensverkäufe können als grobe Indikatoren dienen.

Etwa 15 bis 20 Menschen stellen die Fosdem auf die Beine, am Wochenende kommen noch zahlreiche Freiwillige dazu.

Ihr Offenheit macht die Veranstaltung attraktiv weit über Europa hinaus, bringt allerdings auch Nachteile mit sich. Vor den kleineren Räumen bilden sich zum Teil lange Schlangen, nicht alle Besucher schaffen es immer in die gewünschten Vorträge.

Das Problem ist nicht neu, in diesem Jahr bieten die Fosdem-Macher jedoch erstmals eine gute Lösung an. Jeder Vortrag lässt sich über die Fosdem-Webseite live per Streaming verfolgen. Das funktionierte sogar auf der Veranstaltung selbst erstaunlich gut, zum Teil sind die Vorträge im Stream sogar besser zu verstehen als in den Hörsälen selbst.

Die Veranstalter schätzen die Zahl der Besucher der diesjährigen Fosdem sehr grob auf rund 8000.

Für ihr Streaming haben die Organisatoren ein eigenes Content Delivery Network aufgesetzt. Für ihre Infrastruktur verwenden sie dabei vorwiegend Open-Source-Software, die sie Interessierten per Github zur Verfügung stellen. Das schließt den Fosdem Companion mit ein, eine App, die Besucher immer über die gerade laufenden Vorträge informiert.

Das für die Größe der Veranstaltung außerordentlich robuste Netzwerk verdanken sie vor allem guten Kontakten zu Cisco, die in Zusammenarbeit mit der Universität große Teile des Netzwerk-Equipments zur Verfügung stellen. Dazu gehören unter anderem die 1200 Access Points, die sich über die Hörsäle verteilen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer kommerzieller Sponsoren, darunter Google, Red Hat und Github. Doch Stände von diesen oder Werbebanner sind auf der Fosdem nicht zu sehen. Laut Policy soll die Konferenz werbefrei bleiben, zeigen dürfen sich lediglich Open-Source-Projekte. Die Helfer erhalten keine Vergütung, die Organisationskosten decken neben den Sponsoren die Besucher mit ihren Spenden ab.

Livestreams und Apps helfen, den Überblick über die zahlreichen Vorträge zu behalten.

Fragt man Gerry Demaret nach der Zukunft der Fosdem, gibt er offen zu, diese nicht wirklich zu kennen. Langfristige Pläne macht das Team nicht, vielmehr überlege man von Jahr zu Jahr, was gut lief und was besser laufen könnte. Dazu findet zwei Wochen nach der Veranstaltung ein Post-Mortem-Treffen statt.

Man habe laut Demaret ohnehin eine Art Equilibrium erreicht: Tiefgreifende Änderungen seien mit der aktuellen Zahl an Organisatoren nicht möglich und würden recht große Anstrengungen erfordern, etwa eine Erweiterung in neue Räume. So wie es aussieht, gilt für die Fosdem also das bekannte Motto "Never change a running system", und tatsächlich, es läuft.

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