Fosdem 2009: Enterprise-Linux für alle dank Centos
Dag Wieers vom Projekt Centos hielt ein flammendes Plädoyer für den kostenlosen Red-Hat-Enterprise-Klon: Privatanwender sollen ihn nutzen, sogar für Unternehmen sei Centos bei unkritischen Maschinen interessant.
Zu Grunde liegt die Unterscheidung zwischen einem stabilen Enterprise-Linux und einer veränderlichen Community-Version. "Jeder sollte Enterprise Linux benutzen", sagt Dag Wieers von Centos, "nicht nur Unternehmen." Das Centos-Projekt baut seine Distribution aus den GPL-lizenzierten Quelltexten von Red Hats Enterprise-Software.
Wieers erläutert: Einerseits seien Privatanwender an einfacher Wartbarkeit interessiert, wenn sie zum Beispiel die Rechner der Eltern oder von Freunden administrieren. Dazu gehört für Wieers, nicht ständig die Distribution updaten zu müssen. Bei einer anderen Gruppe von Privatanwendern nütze es außerdem wenig, wenn Leute mit einer schön aussehenden Distribution den Linux-Einstieg wagen, um dann überfordert zurück zu Windows zu wechseln. Mit Centos profitieren sie stattdessen von den stabil und sicher gehaltenen RHEL-Paketen, so sein Argument.
Sogar Unternehmen hätten unter Umständen unkritische Maschinen in Betrieb, für die sie nicht unbedingt den Support von Red Hat bräuchten, sagte Wieers nach dem Vortrag zu Linux-Magazin Online. Er gibt zu, dass das Verhältnis zu Red Hat am Anfang nicht ganz unproblematisch war. Heute sei es jedoch in Ordnung: Es störe Red Hat nicht, Privatanwender und Nutzer mit geringen Unternehmensanforderungen Centos nutzen zu sehen. Das Unternehmen kümmere sich um große Geschäftskunden, erklärt Wieers, und schaue nicht darauf, unbedingt weitere kleinere Kunden zu gewinnen. Anwender von Centos greifen zur Unterstützung auf die Community zurück. Wenn ein Unternehmen kritische Setups fährt, differenziert Wieers, sei es bei Red Hat ohnehin besser aufgehoben.
Dag Wieers ist Consultant von Beruf. Noch bevor es Fedora gab, entwickelte er in seiner Freizeit an Red-Hat-Paketen. Er wollte dem Fedora-Projekt jedoch nicht beitreten, weil er keine Lust auf schnelle Release-Zyklen hatte, sagte er zu Linux-Magazin Online.





