Richard Sharples ist seit April Chef-Produktmanager für die Jboss-Enterprise-Application-Plattform bei Red Hat. Davor war er gute acht Jahre bei Sun. In seinem Blog berichtet er, dass das in Fedora 9 verbaute Paket von OpenJDK 6 Suns Java Compatibility Tests bestanden habe. In den Release-Notes zu Fedora 9 von Mitte Mai musste das Projekt noch anmerken, OpenJDK sei noch nicht Java-kompatibel. Nur eine Implementation, die den TCK-Test für Java (TCK, Technology Compatibility Kit) besteht, darf Java-kompatibel heißen und das Java-Logo verwenden. Wenn ein Projekt oder eine Firma eine eigene Implementation als Java-Plattform bewerben will, muss sie mittels des Java-TCK beweisen, dass sie sich auch wie Java verhält, schreibt Sharples.

Red-Hats Community-Distribution Fedora ersetzte in der Release 9 Icedtea durch OpenJDK, weil in dem Sun-Projekt OpenJDK inzwischen die meisten Lücken gefüllt seien. Die restlichen stopften die Red-Hat-Freien mit dem Code von Icedtea. Die Icedtea-Entwickler verwendeten die freien Java-Bibliotheken GNU Classpath und die freie Java-VM-Implementation Kaffe.

Red Hat gründete im Juni 2007 das Fedora-Projekt Icedtea, um die Reste proprietären Codes in der Java-SE-Implementation OpenJDK zu ersetzen. Als nächstes unterzeichnete Red Hat im November 2007 die Entwicklungs-Agreements von Sun, um selbst die Java-SE-APIs umsetzen und das Ergebnis auf Java-Kompatibilität testen zu dürfen (Linux-Magazin Online berichtete). Die Motivation für Red Hat war, die eigene Distribution Fedora mit einer freien Java-Umgebung auszustatten - ein Beispiel für die ergebnisorientierte Policy des Linux-Unternehmens hinsichtlich seiner Projekt-Förderung, wie sie Max Spevack unlängst auf dem Linuxtag beschrieben hat (Artikel auf Linux-Magazin Online).

Das Sun-gesponsorte, freie Java Development Kit OpenJDK gibt es seit Mai 2007, um die Spezifikationen der Java Standard Edition (Java SE) umzusetzen (siehe Meldung auf Linux-Magazin Online). Die entsprechende Ankündigung machte Sun im November 2006, in er es hieß, sowohl die Standard- und die Enterprise-Edition (Java SE und EE) als auch die mobile Java-Plattform Java ME würden GPLv2-lizenzierte Software werden. Einige Teile des Codes waren jedoch unfrei und mussten es bleiben, denn sie unterlagen nicht der Verfügungsgewalt von Sun Microsystems.

Fedora ist laut Shaples zur Zeit die einzige Distribution mit einer getesteten, freien Java-Plattform an Bord. OpenJDK ist aber nicht die einzige freie Implementation von Java SE. Die Apache Software Foundation arbeitet seit Mai 2005 an der Java-Plattform Apache Harmony. Anders als Red Hat, die keine Schwierigkeiten mit den von Sun geforderten Vereinbarungen sahen, hat das Apache-Projekt wiederholt die GPL-Bedingung der TCK-Vereinbarung kritisiert (Linux-Magazin Online berichtete). Das Contributor Agreement betrifft die Entwicklung eigenen Codes für eine Java-Implementierung, das TCK License Agreement (Technology Compatibility Kit) erlaubt einen Abgleich mit den Java-Spezifikationen - aber nur bei Implementierungen, die GPL-lizenziert sind. Die Apache-Version von Java SE mit der Apache-Lizenz hat bis heute nicht die Kompatibilität-Tests für Java-Implementationen durchführen können.