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Fallstudie: "Teuer und proprietär - nicht mit uns"

Die toskanische Küstenstadt Grosseto schwenkte von einer proprietären zu der quelloffenen Lösung Open Portal Guard um, ein Zugangssystem für elektronische Ausweise. Diese spannende Geschichte erzählt eine neue Fallstudie des europäischen Informationsdienstes OSOR.

Die Fallstudie beschreibt, wie seit 2003 die 80.000-Einwohner-Stadt Grosseto an einem Pilotprojekt für elektronische Personalausweise teilnahm und zunächst einen externen Software-Dienstleister mit einer proprietären Verwaltungs- und Zugangssoftware beauftragte. Die Entwicklung der Software sollte bezahlt werden, Lizenzgebühren jedoch nicht anfallen, da die beauftragte Software in den Besitz der öffentlichen Hand übergehen sollte. Als der Partner jedoch trickreich ein Kernstück des Systems - ein Browser-Plugin für die Authentifikation von Endbenutzern - nur gegen Lizenzgebühren herausrücken und zudem keine offenen Standards verwenden wollte, so dass die elektronischen Identitätsnachweise anderer Provinzen oder Länder inkompatibel zu dem immerhin 200.000 Euro teuren Entwicklungsprojekt sein würden, läutete ein IT-Angestellter der Stadt, Bud Bruegger, die Warnglocken. Er überzeugte seinen Chef, eigene Ressourcen für ein eigenes Open-Source-Projekt aufzuwenden. Heute ist Bruegger der Hauptentwickler des Open Portal Guard, ein Apache-basiertes Zugangskontrollsystem für elektronische Identitätsnachweise.

Aus dem Projekt und seiner Geschichte zog sein Hauptentwickler und Angestellter der Stadt Grosseto zwei wesentliche Erkenntnisse, berichtet die Studie unter anderem. Zum einen sei die Wissensaneignung der weitaus ressourcenaufwändigere Teil des Projekts als die eigentliche Implementation. So sei laut dem toskanischen IT-Angestellten die Option einer Eigenentwicklung für eine Kommune, da sie in der Regel ein stark begrenztes Budget hat, ohne die Open-Source-Methode kaum möglich: Nur so können die Entwickler auf bereits vorhandene Projekte aufbauen.

Die zweite Erkenntnis besagt, dass Open-Source-Erfahrene in einem solchen Projekt erfolgreicher sein werden als Entwickler, die nur aus Kostengründen den quelloffenen Weg wählen. Open-Source-Erfahrene hingegen wissen, welche Fragen man an die Community stellen muss, und sie führen ihr Projekt mit dem Willen durch, wieder etwas an die Community zurückzugeben, so Bruegger. Nur so bleibt die Community erhalten, von der sie zuvor profitierten.

Die Idee, quelloffene Software einzusetzen, war den Italienern sowohl der IT-Abteilung als auch den Anwendern in der Behörde nicht fremd. Sie kannten Linux auf ihren Servern und Firefox sowie Open Office auf ihren Arbeitsplatzrechnern. Der Boden für Open-Source-Software sei fruchtbar gewesen, Bud Bruegger in der Studie, sodass die Stadt Grosseto den quelloffenen Weg für ihr Personalausweissystem ohne Vorbehalte frei gab. Am Rückhalt von Arbeitgeber und Kollegen hat es also nicht gemangelt. Einzig öffentliche Kenntnisnahme hätten sich die Südländer mehr gewünscht.

Die zehnseitige Studie enthält noch weitere interessante Informationen zu Hergang und Kontext des Projekts. Sie steht im ODT- und im PDF-Format auf der OSOR-Webseite zum Download bereit. Der Autor Gregor Bierhals arbeitet als Forscher an der gemeinsamen Forschungseinrichtung der Maastrichter Universität und der United Nations Universität (UNU-MERIT) in Maastricht.

Der europäische Informationsdienst OSOR (Open Source Observatory and Repository) hat zur Aufgabe, die Verbreitung von Open-Source-Software zu fördern. Es ist Teil des europäischen IDABC-Programms, ein Programm der europäischen Kommission, das noch bis Ende 2009 Bürger und Unternehmen über grenzübergreifende öffentliche Dienste im Bereich E-Governance informiert (IDABC, Interoperable Delivery of European eGovernment Services to public Administrations, Business and Citizens).

(Anika Kehrer)
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