Open Source im professionellen Einsatz

Facebook setzt auf Tor

03.11.2014

Eine überraschende Koalition hat Ende letzter Woche Facebook angekündigt: Das für seine exzessive Datensammlung bekannte Unternehmen kooperiert mit dem Anonymisierungsdienst Tor und bietet nun Facebook-Zugänge über einen Hidden Service an.

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Damit möchte Facebook keine Anonymisierung per se erlauben, denn die Nutzer müssen sich weiterhin bei dem Dienst anmelden. Doch laut Mitteilung ist der Schritt dazu gedacht, den bisherigen Tor-Nutzern das Leben zu erleichtern, den Zugang sicherer zu machen und Abhörern in den globalen Demokratien und Diktaturen das Leben zu erschweren.

Da sich die Tor-Exit-Nodes über den Globus verteilen, sah es für Facebook häufig so aus, als würden sich Benutzer wahlweise aus Syndey und im nächsten Moment aus Hamburg anmelden. Das rief automatisch Security-Abfragen auf den Plan. Um dieses Problem zu beheben, bietet das Social Network seinen Dienst nun experimentell auch über "https://facebookcorewwwi.onion" an.

Die Adresse lässt sich nur über einen für Tor konfigurierten Browser aufrufen, wie ihn etwa das Tor-Browser-Bundle anbietet. Er verbindet den User direkt und verschlüsselt mit den Rechenzentren von Facebook. Dabei wird SSL genutzt, wobei der Einsatz eines SSL-Zertifikats für die Tor-Implementierung ein neues Mittel sei, um die Besitzer einer Onion-Adresse zu verifizieren.

Man wolle aus dem Experiment lernen und Daten über das Skalieren und Ausliefern von Diensten über die Onion-Adresse sammeln. Auch die mobile Facebook-Seite soll demnächst die neue Möglichkeit nutzen. Facebook versucht so, das Vertrauen einiger Nutzer zurück zu gewinnen. Daneben habe man bereits HSTS und PFW (Perfect Forward Secrecy) implementiert.

Auch für Tor ist das ein Schritt nach vorn: Noch immer glauben viele Menschen, nur Kriminelle würden den Anonymisierungsdienst nutzen. Die Tor-Entwickler arbeiten daher mit Facebook zusammen. Nicht nur sei es kein Widerspruch, Facebook über Tor zu besuchen, schreiben sie, denn Anonymisierung bedeute nicht nur, den eigenen Standort zu verschleiern. Die Kooperation würde auch die Nutzung der Hidden Services verbessern.

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