Open Source im professionellen Einsatz

FSF: Mobile First

23.01.2017

Die Free Software Foundation (FSF) hat ihre Prioritätenliste für das Jahr 2017 überarbeitet und wünscht sich freie Alternativen auf zahlreichen Gebieten. Eines davon: Ein freies Betriebssystem für Telefone.

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Die Idee eines freien Betriebssystem ist auch der FSF nicht erst gerade gekommen, seit einiger Zeit arbeiten Entwickler bereits an Replicant (Linux-Magazin berichtete). Der komplett freien Android-Version räumt die Stiftung nun Priorität ein, Replicant sei "das erste mobile Betriebssystem (OS), dass ohne Rückgriffe auf proprietären Code laufe", schreibt die Foundation in ihrer Ankündigung der Priority-Projekte.

Die Zahl der unterstützten Geräte dürfte allerdings nur begrenzt sein, denn in den meisten Mobilgeräten laufen mit proprietärem Code betriebene Hardware-Komponenten. Daher gehört es auch zu den Zielen, freie Treiber, Firmware und Hardware-Design zu entwerfen. Hacker ruft die FSF daher dazu auf, Projekte wie Nouveau und Radeon tatkräftig zu unterstützen, aber auch an Video Processing Units (VPUs), der Videocore IV GPU des Raspberry Pi und an GCxxxx-Chipsätzen zu arbeiten. Auch für die populäre 3-D-Grafikengine Power-VR, die in Telefonen, Laptops und Netbooks steckt, brauche es noch freie Treiber.

Weiterhin zählt die Foundation Dezentralisierung und Federation sowie selbst gehostete Dienste zu ihren Zielen. Das Netz sei heute zu zentralisiert, einzelne große Dienste nicht offen sondern abgezäunte Gebiete. Die FSF empfiehlt daher Diaspora, GNU Social und Pump.io als Alternativen für Twitter und Facebook. GNU Mediagoblin könnte Youtube und Flickr ersetzen, die W3C Social Web Working Group arbeite zudem an Standards für Dezentralisierungs- und Federation-Techniken.

Nicht zuletzt fordert die Stiftung dazu auf, VoIP-Programme wie Skype und Facetime mit freier Software zu ersetzen. Auch Google Hangout sei hier keine Lösung, weil noch proprietäre Software genutzt werde. Da Skype nicht sicher sei, wünsche man sich eher alternative Systeme, von denen es bereits einige gibt. Dazu gehören etwa Ekiga, Jitsi Meet und GNU Ring sowie einige weitere Projekte, die Web-RTC nutzen.

Nicht zuletzt geraten auch intelligente Assistenzsysteme wie Siri, Google Now, Alexa und Cortana ins Visier der FSF, die zum Teil auf Deep Learning basieren. Auch hier gäbe es bereits Ansätze, wie etwa Lucida, Mycroft, Open STT, Pastec oder Open PR.

Aber es gibt auch "weiche Ziele", die nichts mit konkreter Software zu tun haben. So wünscht sich die FSF mehr gesellschaftlich unterrepräsentierte Entwickler in der Community, eine stärkere Internationalisierung der Software, bessere Security-Maßnahmen und Hilfe beim Aufbau von Linux-Distributionen, die den Vorstellungen der FSF folgen. Nicht zuletzt sollen die Anhänger freier Software ihre Regierungen überzeugen, freie Software zu nutzen, anstatt sich in die Abhängigkeit proprietärer Software zu begeben.

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