Open Source im professionellen Einsatz

FOSDEM 2008: Perl 6, PHP 6 und JRuby

23.02.2008

Auf der FOSDEM-Konferenz in Brüssel war der Samstagnachmittag modernen Skriptsprachen gewidmet.

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Der Informatik-Dozent Patrick Michaud, Chefentwickler für den Perl-6-Compiler in Parrot, gab einen Ausblick auf die Neuerungen der kommmenden Perl-Version. Perl 6 soll bewusst die Rückwärtskompatibilität brechen und die Syntax aufräumen. Zu den geplanten Features gehören volle Unicode-Unterstützung, Operator Overloading, benannte Parameter sowie Damian Conways Junctions - Skalare, die mehrere Werte gleichzeitig enthalten können, was manche Programme kürzer macht. Zudem soll es eine Art Switch-Case-Statement geben, das in Perl 6 allerdings Given-When lautet

Switch-Statement auf Perl-6-Art: Ein Schnappschuss aus Patrick Michauds Vortrag von der Konferenz FOSDEM 2008 in Brüssel.

Neben der Sprach-Spezifikation soll es für Perl 6 nicht wie früher eine einzige, sondern mehrere Implementierungen geben. Derzeit arbeiten Entwickler unter anderem an der virtuellen Maschine Parrot ("Rakudo Perl") und dem in Haskell geschriebenen Pugs. Michaud stellte das Parrot Complier Toolkit vor, mit dem sich Compiler für zahlreiche Sprachen zur Ausführung auf Parrot erstellen lassen. Damit hat er nach eigenen Angaben Pynie, einen Python-Compiler für Parrot, in nur sechs Stunden geschrieben.

Nach sieben Jahren Entwicklung an Perl 6 musste sich der Referent Fragen nach dem Zeitplan stellen. Zum einen, sagte Michaud, stellten sich während der Entwicklung ständig neue Probleme, die es zu lösen gelte. Außerdem gebe es bereits jetzt mit Parrot und dem Compiler Toolkit viel mehr als eine einfache Umsetzung, sondern Werkzeuge, um Neues zu schaffen. Derzeit lasse sich Rakudo Perl aus dem Quelltext bauen und funktioniere bis auf einige Punkte der Sprachdefinition, bei denen es noch "schwindeln" müsse.

Auch die Web-Skriptsprache PHP 6 soll in Sachen Unicode glänzen, wie Andrei Zmievski vom PHP-Kernteam darlegte. Damit sollen auch wegen Encoding-Problemen unleserliche Webseiten der Vergangenheit angehören. Zudem stellte Zmievski Funktionen vor, die beispielsweise Japanische Schriftzeichen in lateinische Buchstaben transliterieren oder Daten in verschiedene Kalendersysteme umrechnen.

Charles O. Nutter, der die Vorträge im großen Hörsaal für Samstag abschloss, arbeitet seit rund einem Jahr für die Firma Sun an JRuby. Dabei handelt es sich um die Umsetzung der objekt-orientierten Skriptsprache Ruby in Java. Für Nutter stellt das Projekt eine Open-Source-Erfolgsgeschichte dar: Der meiste Code stamme von unbezahlten Projekt-Mitgliedern, viele Java-basierte Editoren und Entwicklungsumgebungen wie JEdit, Netbeans und Eclipse verwenden JRuby als Ruby-Implementierung der Wahl.

Während der Konferenz FOSDEM 2008 bietet Linux-Magazin Online einen kostenlosen Live-Videostream der Keynotes an.

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