EU untersucht IBM auf Marktmissbrauch bei Mainframes
27.07.2010
Wegen des Verdachts auf Missbrauch der Marktmacht bei Mainframes hat die Europäische Kommission zwei Kartelluntersuchungen gegen IBM eingeleitet.
Die eine der beiden Untersuchungen ist die Folge zweier Beschwerden der Marktteilnehmer und Mainframe-Emulatoren Turbohercules und T3. Der Vorwurf lautet, dass IBM seine Mainframe-Hardware an sein Mainframe-Betriebssystem koppelt. Die zweite Untersuchung führt die Kommission auf eigene Faust durch.
Sie wolle "prüfen, ob IBM konkurrierende Anbieter von Mainframe-Wartungsdiensten diskriminierend behandelt", heißt es in der Mitteilung aus Brüssel. Die Kommission "befürchtet", dass IBM den Markt für Wartungsdienstleitungen abschotte: "So besteht der Verdacht, dass IBM den Zugang zu ausschließlich von IBM angebotenen Ersatzteilen einschränkt bzw. verzögert." Sie stellt aber auch klar, dass die Kartellverstöße nicht erwiesen sind, sondern "vorrangig und eingehend" geprüft werden sollen.
Turbohercules war im April 2010 medial effektiv gegen IBM Sturm gelaufen (siehe den Kommentar "Patente Eskalation" aus dem Linux-Magazin 06/2010). Der Firmeneigner Roger Bowler zeigte sich empört, dass IBM ihm nicht entgegenkam, obwohl er den Konkurrenten um Erlaubnis gefragt hatte. IBM allerdings gab an, an Turbohercules' Motiven zu zweifeln, und vermutete eine konzertierte Lobbyisten-Aktion gegen die eigene Marktführerschaft.
Einer der Beschwerdeführer ist in der Tat seit Kurzem Mitglied der von Microsoft geleiteten Mainframe Migration Alliance, die die Migration von Mainframes zur Microsoft-Plattform unterstützt: Das in Florida ansässige Mainframe-Unternehmen T3 empfing außerdem schon Ende 2008 Investorengelder von Microsoft, kurz nachdem es sich an dem Portal Openmainframe.org beteiligt hatte und noch bevor es sich an mehreren gerichtlichen Schritten gegen IBM beteiligte.
Turbohercules ist auch auf dem Openmainframe-Portal vertreten, aber offenbar kein Mitglied bei dem Microsoft-Verband (auf der Mitgliederseite taucht das Logo nicht auf). Die Firmengründung erfolgte 2009 zur Vermarktung seines quelloffenen Hardware-Emulators Hercules. In Reaktion auf die Initiative der EU gibt Roger Bowlers zu Protokoll: "Wir wollen nur, dass Kunden ihre Mainframe-Anwendungen auf der Hardware ihrer Wahl laufen lassen können. [Die Untersuchungen] sind gute Neuigkeiten auch für die Open-Source-Community von Hercules und ihrer elfjährigen Geschichte."
(Anika Kehrer)
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