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EU-Umfrage zu freien Informationen gestartet

13.09.2010

Für die Überarbeitung der PSI-Richtlinie (Public Sector Information) bezieht die Europäische Union via Online-Umfrage die Meinung von Produzenten, Verwendern und Bürgern ein.

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Mit der öffentlichen Umfrage geht die Europäische Kommission nach eigenen Angaben den ersten Schritt, um die EU-Richtlinie 2003/98/EG zur Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors ("PSI-Richtlinie") zu überarbeiten. Die EU hat die Umfrage am 9. September 2010 angekündigt und will sie bis 30. November online lassen.

Öffentlich-rechtlich relevante Informationen wie Karten-, Wetter-, Verkehrs- oder Finanzdaten frei verfügbar zu machen, sorgt nach Meinung der Kommission für ein jährliches Marktvolumen von 27 Milliarden Euro, indem die Daten für Navigationsgeräten oder Apps genutzt werden können. Benjamin Henrion, der Brüsseler Vertreter des Fördervereins für eine Freie Informationelle Infrastruktur e. V. (FFII), nennt gegenüber der Redaktion aber auch Datenarten wie Postleitzahlen - in vielen Ländern seien diese nicht öffentlich verfügbar. Er nennt außerdem die britische Initiative Free Our Data als Beispiel für die Verbreitung des Anliegens freier Daten weniger aus ökonomischer denn aus bürgerrechtlicher Sicht.

Die öffentliche Umfrage erhebt Meinungen zu Fragen wie ob die Wiederverwendung kostenfrei sein sollte, ob die Richtlinie inhaltlicher Klärung bedarf oder ob die Verfügbarkeit der Daten innovationsförderlich sei. Um ernsthaft Daten zur Verfügung zu stellen, sollte sich der Teilnehmer die Richtlinie vorher ansehen: Viele Fragen wird er sonst schwer beantworten können.

Dass die Richtlinie überarbeitet werden soll, befand das Europäische Parlament als Schlüsselpunkt der europäischen Digitalen Agenda im Rahmen der "Strategie Europa 2020" (siehe Meldung zur Digitalen Agenda auf Linux-Magazin Online). Die Ergebnisse der Umfrage sollen auf der PSI-Infoseite der EU veröffentlicht werden.

Update: André Rebentisch vom Berliner Büro des FFII e V. hat gegenüber der Redaktion noch einige konkrete Informationsquellen ergänzt. So enthält die Webseite Epsiplus.net einen Überblick zu den Datenbeständen der Behörden. Leitfragen für die Behandlung dieser Daten seien Verfügbarkeit (access), Lizenzierung, Interoperabilität und Formate sowie das Thema der Zersplitterung. Weitere Beispiele:

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