EU-Kommission: Öffentliche Ausschreibungen bevorzugen proprietäre Software
22.10.2008
Einem aktuellen Bericht der EU-Stelle IDABC zufolge sind zahlreiche öffentliche Ausschreibungen für Software in Europa gesetzeswidrig, weil diese proprietäre Anwendungen bevorzugen. Geht es nach der IDABC, sollten die ausschreibenden Behörden dafür juristisch belangt werden.
Die Abteilung IDABC der Europäischen Kommission ist zuständig für die Beschaffung von interoperabler Software für den Behördeneinsatz in Europa. Im Auftrag der Behörde hat die Partnerorganisation UNU-Merit ein Dokument zu Beschaffungsrichtlinien für Software erstellt. Bei den Vorarbeiten zu der Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass die Voreingenommenheit bei Behördenausschreibungen zugunsten proprietärer Software weit verbreitet ist.
Nach Erkenntnissen der Autoren würden Software-Ausschreibungen häufig entweder unterschwellig oder offensichtlich bestimmte Software-Marken oder sogar spezifische Applikationen bevorzugen. Die Kompatibilität mit vorhandener Software hätten 33 Prozent von 1000 beobachteten IT-Abteilungen in Behörden als wichtigstes Auswahlkriterium genannt. Rishab Ghosh, einer der Autoren, erläutert die Konsequenzen: "Diese implizite Abhängigkeit von einem Anbieter führt dazu, dass eine Ausschreibung, die eigentlich nur über fünf Jahre geht, tatsächlich eine vertragliche Verpflichtung zur Folge hat, die über zehn, fünfzehn Jahre geht oder länger."
Wenn Organisationen einfach eine bestimmte Anzahl von Lizenzen oder Software-Paketen ausschreiben, wird die Diskriminierung noch offensichtlicher. Ghosh und seine Kollegen haben hierfür reichlich Beispiele gefunden: Von insgesamt 3.615 Software-Ausschreibungen zwischen Januar und August 2008 verlangten 36 Prozent explizit Microsoft-Software, 20 Prozent forderten Oracle, 12 Prozent erwähnten IBM-Applikationen, 11 Prozent wollten SAP-Anwendungen und 10 Prozent Adobe.
Ghosh findet ein anschauliches Beispiel: "Es ist, als ob man den neuesten Volkswagen anfordert und dann davon ausgeht, dass jeder den verkaufen kann. Wir wissen aber alle, dass nur Volkswagen-Händler dies können." Karel de Vriendt, Leiter der Open-Source-Abteilung der IDABC, abgekürzt OSOR, fordert Konsequenzen: "Gegen diese Ausschreibungen sollte protestiert werden," so de Vriendt, und er fordert, dass die Verantwortlichen nötigenfalls auch gerichtlich belangt werden sollten.
Die Beschaffungsrichtlinien für Behördensoftware setzen an dieser Stelle auf Information. Die Autoren wollen zeigen, wie die öffentliche Verwaltung die Diskriminierung gegen Open Source beenden könnte und listet detailliert die besonderen Charakteristika von Open Source auf. Nach Meinung der Autoren gehört zu den Besonderheiten, dass die Software ohne Einschränkungen genutzt und verteilt werden darf und der offen zugängliche Quellcode auch Eingang in Ausschreibungen finden. Für Ghosh ist es klar, dass diese Information dringend nötig ist: "Viele Leute glauben es gäbe mittlerweile gleiche Wettbewerbsvoraussetzungen, und dass Maßnahmen zur Förderung von Open Source nicht länger nötig wären. Tatsächlich ist die Voreingenommenheit zugunsten proprietärer Anwendungen weit verbreitet."
Erste Auszüge der Studie mit dem Titel "Osor Guidelines Public Procurement and Open Source Software" wurden am Montag auf einer Open-Source-Veranstaltung in Malaga vorgestellt. Im Lauf dieser Woche soll das vollständige Dokument auf der OSOR-Webseite veröffentlicht werden.
(Britta Wülfing)
| Whitepaper |
|
Open Source Datenintegration in der Praxis: Fallstudien und Anwendungsbeispiele (Folge 2)
Der zweite Teil des Open Source Datenintegration in der Praxis: Fallstudien und Anwendungsbeispiele White Papers beleuchtet anhand weiterer ausgewählter Case Studies die Implementierung von Open Source Datenintegration in der Praxis und benennt die daraus resultierenden Vorteile.
Download PDF (Registrierung erforderlich)
|
|
Usage Landscape Enterprise Open Source Data Integration
Die Nachfrage nach Datenintegrationslösungen für Unternehmen ist zunehmend gestiegen und vor allem das Interesse an Open Source Technologien wird immer größer. Doch wie und von wem werden Open Source Datenintegrationslösungen genutzt und welches Nutzungsverhalten lässt sich daraus ableiten? Das vorliegende White Paper präsentiert die Erfahrungswerte von über 1000 Open Source Nutzern und liefert fundierte Antworten auf diese Fragen.
Download PDF (Registrierung erforderlich)
|
|