Open Source im professionellen Einsatz

E-Books im Kommen - langsam, aber gewaltig

06.12.2010

Bilanz und Ausblick auf die Entwicklung des hiesigen Markts für elektronische Bücher bestimmten das Programm der 3. E-Book-Konferenz der Akademie des Deutschen Buchhandels gestern in München.

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Auf der ersten E-Book-Konferenz der Buchhandelsakademie vor drei Jahren machten die ersten Lesegeräte die Rund durchs staunende Publikum, im letzten Jahr konnte eine Marktübersicht anlässlich der Konferenz bereits über 30 E-Book-Reader präsentieren und in diesem Jahr war an selber Stelle zu hören, dass die spezialisierten Leser schon sehr bald von Tablet-PCs überholt werden sollen, die sich für denselben Zweck mehr oder weniger eignen und dabei sind, den Massenmarkt zu erobern. Ob sie damit aber zu dem Lesegerät für digitalen Content schlechthin werden, scheint immerhin fraglich - eignen sich doch ihre Displays weniger für ermüdungsfreies Lesen und zählen ihre Besitzer wohl eher zu den Gelegenheitslesern. Nutzer "echter" E-Book-Reader mit E-Ink-Display kaufen denn auch momentan noch die meisten digitalen Bücher im Netz.

Die Entwicklung auf dem E-Book-Markt nimmt Fahrt auf - das ist das alljährliche Mantra der Konferenz. Inzwischen aber hat man sich wohl von der Vorstellung verabschiedet, hierzulande könnte sich die amerikanische Entwicklung mit einer Zeitverzögerung von ein paar Jahren wiederholen. Ein derart steiler Anstieg wie in den USA - Amazons Kindle 1 war dort trotz seines gehobenen Preises beispielsweise binnen fünf Stunden ausverkauft, seine Nachfogler ähnlich schnell - zeichnet sich hierzulande nicht ab. Ein Grund, so mutmaßten Referenten der Konferenz, könnte auch darin liegen, dass man in Übersee sehr viel weniger in den stationären Buchhandel investiert. Eine auf der Konferenz referierte Studie von Pricewaterhouse Coopers kommt außerdem zu dem Schluss. dass E-Books hierzulande im Unterschied zu den USA noch zu teuer seien, das Angebot an Titeln noch nicht ausreiche und die Bekanntheit der Lesegeräte zu wünschen übrig lässt. In fünf Jahren sieht die Studie einen Marktanteil von 6,3 Prozent in Deutschland (USA dann 22,5 Prozent).

Obwohl die Kurve also flacher ausfällt, weist sie unverkennbar nach oben. Ein Indiz dafür sind neue Anbieter, die sich auch auf der diesjährigen Konferenz wieder vorstellten. Darunter pubbles, ein E-Book-Shop, der sich als digitales Pendant einer Bahnhofsbuchhandlung versteht und Bücher (3000 Titel zum Start) gemeinsam mit Zeitschriften (40 Titel) in digitaler Form anbietet. Hinter dem Angebot stehen Bertelsmann und der Deutsche Pressevertrieb dpv. Von einer ganz anderen Dimension ist der am Tag der Konferenz allerdings vorerst nur in den USA gestartete Google E-Book-Dienst. Im kommenden Jahr, so Annabella Weisl, Strategic Partner Manager von Google, soll auch in Deutschland der Startschuss fallen. In den USA hatte dieses Angebot am ersten Tag zwei Millionen Titel von 35 000 Verlagen zu bieten. Ein Unterschied zu Mitbewerbern ist unter anderem, dass Google die Titel in verschiedenen Formaten in einer persönlichen Bibliothek des Nutzers auf seinen Servern behält (die in diesem Zusammenhang selbstredend als Cloud angesprochen werden wollen). Das macht einerseits die Benutzung der Inhalte überall und jederzeit auf verschiedenen Endgeräten ohne Umkopieren und Konvertieren möglich, führt andererseits aber einmal mehr zum gläsernen Nutzer. Letzteres soll übrigens auch Missbrauch verhindern, denn Google würde eine hohe Zahl von Zugriffen aus verschiedenen Weltgegenden auf denselben Inhalt bemerken und als unberechtigt klassifizieren.

Alles kann aber auch Google nicht. So muss der Internet-Riese beispielsweise beim vieldiskutierten Thema Enhanced E-Book noch passen, das gerade am Horizont erscheint. Erste vorzeigbare Beispiele präsentierte hier Rita Bollig von Bastei-Lübbe mit Apps zu Titeln ihres Erfolgsautors Ken Follet (unter anderem "Die Säulen der Erde"), die Spielfilmsequenzen und andere Multimedia-Inhalte in das E-Book integrieren. Allerdings dürften hier technisch bedingt die relativ trägen und schwarzweißen E-Ink-Displays allesamt außen vor bleiben.

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