Drei Kandidaten für Debian-Projektleitung
Drei Entwickler bewerben sich um den Posten als Debian Project Leader (DPL). Der aktuelle Projektleiter Sam Hocevar tritt nicht wieder zur Wahl an.
Auf jeweils eigenen Webseiten stellen sich die Bewerber mit ihren Ideen für das Projekt vor:
Steve McIntyre ist der älteste der drei und seit 1996 bei Debian. Er trat bereits 2006 und 2007 zur Wahl an. Als eines seiner Hauptziele nennt er bessere Kommunikation innerhalb des Projekts. Er kritisiert, dass die bisherigen Projektleiter ihre Versprechen in dieser Hinsicht nicht umgesetzt haben. Er möchte erreichen, dass Beteiligte um Unterstützung bitten, wenn sie ihre selbstgesteckten Ziele nicht einhalten können und "vom wirklichen Leben" eingeholt werden. Er betrachtet dies als eines der Hauptprobleme bei der freien Linux-Distribution: "Effektiv zu arbeiten ist nicht nur für unser eigenes Wohlbefinden wichtig; es hat auch wesentliche Auswirkungen darauf, wie lange wir von Release zu Release brauchen und welche Erfahrungen unsere Anwender mit Debian machen."
Der Franzose Raphael Hertzog ist seit 1998 im Projekt und bewarb sich 2002 und 2007 um den Posten. Er arbeitet als selbständiger Entwickler und möchte, wie schon im Vorjahr, im Fall seiner Wahl ein eigenes DPL-Gremium () installieren, um die Leitung zu verteilen und die Ziele besser zu erreichen. Neu daran ist, dass er den Ausschuss auf drei Personen begrenzen will. Ein weiteres Ziel Hertzogs ist es, Debian nach außen besser sichtbar zu machen und mehr aktive Mitarbeiter für das Projekt zu gewinnen.
Marc Brockschmidt ist mit 22 Jahren der jüngste der drei und seit 2004 im Debian-Projekt. Er studiert Informatik an der RWTH in Aachen. Zu seinen Zielen als potentieller Projektleiter gehört eine bessere Außendarstellung der freien Distribution. Er glaubt zwar, dass die interne Kommunikation grundsätzlich nicht wirklich verbessert werden kann, möchte aber dennoch mehr Austausch erreichen. Beispielsweise will er die Entwickler-Mailingliste "-devel" wieder allen Interessierten zugänglich machen, und auch den Umgang mit den Debian-Ablegern wie beispielsweise Ubuntu hält er für verbesserungswürdig.
Der Wettbewerbszeitraum läuft vom 9. bis 30. März. Während dieser Zeit werden die Vorschläge im Internet diskutiert. Die Wahlen sind zwischen 30. März und 13. April, und der neue Projektleiter nimmt am 17. April seine Arbeit auf. Gewählt wird nach der relativ komplizierten Condorcet-Methode; hierbei ordnen die Wähler die Kandidaten nach Rang. Der nächste Projektleiter wird voraussichtlich die nächste stabile Version 5.0, Codename "Lenny", verantworten, die noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll.





