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Dokumentation: Microsoft veröffentlicht weitere Software-Unterlagen

Microsoft bietet weitere Einblick in einige seiner Software-Produkte: Diesmal handelt es sich um die Vorab-Dokumentationen zu einigen Office-2007-Produkten. Glaubt man dem Softwareunternehmen, geschieht dies alles nur auf eigenen Wunsch.

Auf seiner hauseigenen Plattform Microsoft Developer Network hat das Unternehmen laut eigenen Angaben rund 14.000 Seiten mit Vorabversionen von technischen Dokumentationen für Microsoft-Office 2007-Produkte veröffentlicht. Im Einzelnen macht Microsoft die Protokolle zu Verbindungen zwischen einzelnen Softwareprodukten zugänglich. Interessierte können nun Einblick nehmen in die Schnittstellen zwischen Office SharePoint Server 2007 und die Office-Client-Applikationen, SharePoint Server 2007 in Verbindung mit anderen Microsoft-Servern, Exchange Server 2007 in Kombination mit Outlook sowie Office-2007-Client-Anwendungen mit anderen Microsoft-Server-Produkten. Insgesamt rechnet Microsoft vor, nun rund 44.000 Seiten veröffentlicht zu haben. Bei Microsoft-Mitarbeiter Tom Robertson hört es sich so an, als sei die Offenheit schon immer Teil der Unternehmensstrategie: "Die Implementierung von Microsofts Interoperabilitäts-Prinzipien ist ein wichtiger Bestandteil unserer Bemühungen, Interoperabilität auf dem Markt voranzutreiben."

Beobachter könnten diese erneute Veröffentlichung jedoch als Reaktion auf aktuelle Auflagen und Urteile wegen wettbewerbswidrigem Verhaltens interpretieren. Derzeit läuft ein Missbrauchsverfahren der EU-Kommission, das sich mit dem Verhalten des Unternehmens gegenüber dem Wettbewerb befasst; aber auch von amerikanischen Gerichten gibt es Auflagen. Bereits im Januar verdonnerte die Europäische Kommission Microsoft zu einer Geldstrafe in Höhe von 899 Millionen Euro, woraufhin das Unternehmen im Februar den Zugang zu Teilen seiner Schnittstellen-Dokumentationen erleichterte.

Die neuerliche Veröffentlichung ist in mehreren Schritten geplant: In einem eigens dafür eingerichteten Online-Forum soll die Community nun Rückmeldungen zu den Protokoll-Dokumentationen geben. Laut Jean Paoli, bei Microsoft zuständig für Interoperabilität und XML-Architektur, sollen Verbesserungsvorschläge in die endgültige Version einfließen. Dies bezeichnet Microsoft als die zweite Phase, und wenn Ende Juni die endgültige Version erscheint, sollen im Rahmen der dritten Phase gleichzeitig die endgültigen Patent-Lizenzbedingungen veröffentlicht werden. Die aktuell veröffentlichte Dokumentationen sind zwar ohne Lizenzgebühren zugänglich, jedoch ist ungeklärt, ob und in wie weit Patente betroffen sind. Laut Microsofts Mitteilung sollen künftige Bedingungen "nicht-diskriminierend" und "zu niedrigen Lizenzraten" sein. Für Open-Source-Entwickler verweist Microsoft erneut auf seine Sonderegelung in dem so genannten "Patentversprechen" (Open Specification Promise). Hier erklärte das Unternehmen, diese für eventuelle Patentansprüche nicht belangen zu wollen. Experten des Software Freedom Law Centers hatten diese Zusage allerdings in einem Rechtsgutachten für unzureichend erklärt, und auch das Marktforschungsunternehmen Gartner betrachtet das Versprechen mit Skepsis. Ein Grund war, dass der Geltungsbereich inhaltlich und zeitlich stark eingeschränkt ist (Linux-Magazin Online berichtete).

Die Untersuchungen der Europäischen Kommission sind noch in vollem Gang: Neu hinzugekommen auf der Liste der Verdachtsmomente sind die Vorgänge um die ISO-Standardisierung von Office Open XML (OOXML). Thema ist auch hier die mangelnde Offenheit des Microsoft Dokumentformats. Obwohl OOXML im zweiten Durchlauf als Standard abgesegnet wurde, verstummen die kritischen Stimmen nicht: Die Europäische Kommission erklärte bereits vorab, dem bereits vorhandenen Standard Open Document Format (ODF) den Vorzug zu geben, und weitere Behörden und Ämter schlossen sich diesem Standpunkt an (Linux-Magazin Online berichtete hier und hier). Die Marktforscher von Gartner hingegen halten die Bedeutung von OOXML für überbewertet. In einem aktuellen Kommentar zu der ISO-Entscheidung prophezeien sie beiden Dokumentformaten ein gleichwertiges Nebeneinander, abhängig von der Wahl des Anwenders für die freie Büroanwendung OpenOffice.org oder das Produkt aus Redmond.

(Britta Wülfing)
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