Open Source im professionellen Einsatz

Desktop Summit: KDE und Gnome profitieren gegenseitig

13.07.2009

Der Gran Canaria Desktop Summit ist das erste gemeinsame Entwicklertreffen von KDE- und Gnome-Hackern. Die Zusammenarbeit macht sich schon jetzt in vielen Bereichen bezahlt.

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Am Sonntag trafen sich die KDE- und Gnome-Entwickler beim Cross-Desktop-Track zu Diskussionen zur gemeinsamen Datenverwaltung beider Desktop-Umgebungen. Bei den Vorträgen und Gesprächen ging es in erster Linie um den Umgang mit Fehlern, gemeinsames Metadaten-Handling, Sofortnachrichten und das gemeinsame Verwalten von persönlichen Daten über eine zentrale Datenbank.

Wie Jos Poortvliet in einem aktuellen Artikel auf dot.kde.org berichtet hat sich die Doppelkonferenz in mehrerer Hinsicht bezahlt gemacht, so sei man zum Beispiel in der Frage, wie es mit Freedesktop.org weitergehen soll, vor Ort bereits ein großes Stück weitergekommen.

Vorteilhaft habe sich der GCDS auch auf die Maemo-Entwicklung ausgewirkt, bei der Nokia von Gtk auf Qt als Widget-Set umsteigt. Die Entwickler vor Ort konnten besprechen, wie es mit den wenigen Komponenten weitergehen soll, die zwar unter der Haube von Maemo arbeiten, aber noch Gtk-Abhängigkeiten aufweisen, zum Beispiel die Indiziermaschine Tracker. Auch hier bahnt sich ein Ausgleich zwischen den beiden großen Desktops an, da die Entwickler der Kernkomponenten Nepomuk (semantische Verknüpfungen), Tracker, Strigi (beides Indiziermaschinen) und Zeitgeist (Ereignisprotokollierung) in Zukunft enger zusammenarbeiten möchten.

Sehr viel Potential sehen die KDE- und Gnome-Entwickler auch in der von Canonical für Ubuntu One genutzten Datenbank CouchDB. Sie könnte schon in naher Zukunft dafür sorgen, dass Migrationsprobleme bei Desktop-Daten der Vergangenheit angehören. Mit CouchDB lassen sich praktisch beliebige Daten zwischen Rechnern gemeinsam Nutzen, angefangen von Adressbüchern bis zu den Lesezeichen im Browser. Für das KDE-4-Datenframework Akonadi hat Till Adams bereits einen entsprechenden Adapter geschrieben. Ein in Evolution hinzugefügter Kontakt steht dank des Akonadi-CouchDB-Adapters somit auch allen KDE-PIM-Programmen zur Verfügung.

Nicht zuletzt sprachen die Desktop-Teams auch mit Kernel-Entwicklern. Vor allem der Inotify-Support (Benachrichtigung des Kernels über neue Dateien) lässt laut Poortvliet in vielen Anwendungen zu Wünschen übrig, so dass zum Beispiel Mediaplayer mit einer Sammlungsverwaltung die Dateien selbst überwachen müssen. Bei verbessertem Inotify-Support könnten sich die Desktop-Programme hingegen auf die Benachrichtigung durch den Kernel (oder durch DBus verlassen. Auch bei Indizierprogrammen gibt es ähnliche Probleme: der Crawler muss stets das komplette Dateisystem nach Änderungen durchsuchen, auch wenn sich in bestimmten Verzeichnissen nichts geändert hat. Über ein Flag, das Verzeichnisse als "Mit Änderungen" markiert ließe sich die Indizierung deutlich beschleunigen.

Poortvliet schließt seine News damit, dass all dies nur ein kleines Stück der Zusammenarbeit sei, die bereits zwischen den Desktops stattfinde und die Informationen all denen als Inspiration dienen soll, die es dieses Jahr nicht zum GCDS geschafft haben.

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