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Debian nimmt AGPL-Software in Main-Paketsammlung auf

Die FTP-Betreuer des Debian-Projekts haben beschlossen, dass die Lizenz Affero-GPL (AGPL) in Version 3 mit den Grundsätzen der freien Linux-Distribution vereinbar ist. AGPL-Software kann somit über die Debian-Paketsammlung "main" vertrieben werden.

Das hat FTP-Master Jörg Jaspert in einer Mailinglisten-Nachricht bekannt gegeben. Die Entscheidung fiel auf einer Arbeitssitzung der FTP-Betreuerin Spanien Ende November.

Die GNU Affero Public License versucht einem Umstand Rechnung zu tragen, den die herkömmliche GPL nicht berücksichtigt: Im Internet-Zeitalter benutzen viele Anwender freie Software in Form von Server- und Web-Diensten, also ohne sie auf dem eigenen Rechner auszuführen. Internet-Konzerne wie Google und Yahoo gehören zu den größten Anwendern freier Programme. Unter den bisherigen GPL-Bedingungen können sie solche Software für eigenen Zwecke anpassen und damit Geschäfte machen: Nur beim Vertrieb der Software selbst hätten die Benutzer Anrecht auf den überarbeiteten Quelltext. In der AGPL jedoch gibt es einen eigenen Paragrafen, der auch Anwendern, die mit der Software "per Computernetzwerk interagieren" ein Recht auf den eingesetzten Quelltext zuspricht.

Im Debian-Projekt wurde diese Lizenz bereits diskutiert, zum Beispiel in Form von Bugreports gegen die Wunschliste angebotener Programme. Das Debian-Projekt folgt einem selbstauferlegten sozialen Auftrag, der sich unter anderem in den Debian Free Software Guidelines (DFSG) ausdrückt. Debian liefert in seiner Linux-Distribution nur Software aus, die diesen Regeln entspricht. Konflikte gab es beispielsweise mit den Markenrechten der Mozilla Foundation an Firefox und Thunderbird, die in Debian Etch daher Iceweasel und Icedove heißen.

Im Fall von AGPL-Software gab es die Befürchtung, das verpflichtende Anbieten der Quelltexte könnte für die Anwendern zu hohe Hürden in Form von Aufwand und Kosten bedeuten. Dagegen kamen die FTP-Debianer zum dem Schluss, der Mehraufwand sei gegenüber dem Betrieb und der Absicherung einer Anwendung im Netzwerk zu vernachlässigen. Auch die Vertriebskosten für den Sourcecode seien äußerst gering. Außerdem müsse man die Quellen nicht auf eigenen Servern anbieten, sondern könne auf kostenlose Repositorys wie Alioth, Savannah oder Sourceforge zurückgreifen.

Damit ist der Weg für Software unter der AGPLv3 in die Debian-Archive frei, insofern die Debian-Gemeinde nicht durch andere Entscheidungen, etwa eine Grand Resolution widerspricht.

(Mathias Huber)
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