Am Samstag vor 15 Jahren, am 16. August 1993, schrieb Ian Murdock eine E-Mail in der Newsgroup "comp.os.linux.development". Darin kündigte er das bevorstehende "Debian Linux Release" an.
“Das Release habe ich von Grund auf neu erstellt, in anderen Worten: Ich habe nicht nur einige Änderungen in SLS eingebaut und das als neues Release bezeichnet”, schreibt Murdock an die Mailingliste SLS (Softlanding Linux System) war die erste, von Peter McDonald 1992 zusammengestellte Linux-Distribution, die aus mehr als dem blanken Linux-Kernel mit ein paar rudimentären Tools bestand. SLS brachte etwa das grafische X-Window-System mit, verursachte aber auch eine Reihe von Problemen, die zur Unzufriedenheit in der Linux-Community führten. Etwa einen Monat vor Debian veröffentlichte Patrick Volkerding die Version 1.0 von Slackware. Im Gegensatz zum komplett neu gemachten Debian war Slackware allerdings eine Modifikation von SLS.
Der Name Debian setzt sich aus den Vornamen des Ehepaars Debra und Ian Murdock zusammen. Anders als Distributionen mit kommerziellen Hintergrund legte Murdock Wert auf die Offenheit und Freiheit der Distribution im Sinne der Free Software Foundation (FSF). Er nannte Debian nicht nur eine GNU/Linux-Distribution, sondern jeder Interessierte darf sich an der Entwicklung beteiligen und kann dies bis heute tun. Auch aus diesem Grund förderte die FSF das Projekt ein Jahr lang zwischen 1994 und 1995.
Die Entwicklergemeinschaft von Debian wuchs rasch, das Projekt entwickelte eine ausgefeilte interne Struktur, verpasste sich eine Verfassung, einen Gesellschaftsvertrag und Richtlinien zur Organisation. Besonders beliebt wurde Debian durch die Auflösung der Paketabhängigkeiten: Über ein ausgeklügeltes Paketmanagement schafften es die Entwickler, über mehrere Versionen konsistente Systeme zu schaffen. Aber auch in puncto Sicherheit verfolgten die Debianer von einen offenen Ansatz: Sicherheitslücken werden auf einer Mailingliste publik gemacht. Das vergrößert die potenzielle Zahl an Entwicklern, welche die Lücke schnell stopfen können.
Debian funktioniert so gut, dass immer mehr kommerzielle und nicht-kommerzielle Anbieter aus Debians Paketsystem eigene Distributionen basteln. Zu den bekanntesten Debian-Derivaten gehört Ubuntu, das an Popularität Debian inzwischen den Rang abläuft, was mitunter zu Unzufriedenheiten bei Debianern führt. Aber auch Hardware-Hersteller, die Linux einsetzen wollen, greifen häufig zu Debian.
Die Distribution Sidux verwendet stets die instabilen Debian-Pakete, patcht die gröbsten Lücken und gibt eine Distribution heraus, welche die neuesten Kernel- und Software-Komponenten mitbringt, aber dennoch einigermaßen stabil läuft. Auch bei Migrationen zu Linux im öffentlichen Sektor, kommt die Distribution inzwischen häufig zum Einsatz: So basiert Limux der Stadt München auf Debian, ebenso wie Wiens Wienux und das in der spanischen Region Extremadura von Behörden und Schulen eingesetzte GNU/LinEx.
Im September erscheint offiziell die stabile Version 5.0 von Debian (Lenny). Bis dahin bietet die Debian-Webseite nicht nur die Distribution zum Download an, sondern auch zahlreiche Hilfen zur Installation in diversen Sprachen.



