Open Source im professionellen Einsatz

Debian-Gründer Ian Murdock ist tot

02.01.2016

Der Debian-Gründer Ian Murdock starb Ende 2015 unter bislang nicht vollständig geklärten Umständen in San Francisco. Murdock wurde 42 Jahre alt.

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Ian Murdock wurde am 28. April 1973 in Konstanz geboren, wo sein Vater, der Insektenkundler Larry L. Murdock, an der dortigen Universität eine Postdoktorrandenstelle innehatte. Später studierte der Sohn an der Purdue University in  West Lafayette, Indiana, Informatik. Noch während seiner Studienzeit gründete er 1993 die Linux-Distribution Debian, deren Name eine Zusammensetzung aus dem Vornamen seiner Freundin und späteren Frau Debra Lynn und seinem eigenen ist. Auslöser der Entwicklung war die Fehlerträchtigkeit und der schlechte Support für das damalige Softlanding Linux System (SLS), einem Slackware-Vorläufer.

Debian 0.01 wurde am 15. September 1993 als internes Release veröfentlicht, das erste öffentliche Release war Debian 0.91. Während der Entwicklung der 0.9er-Versionen wurde Murdock von der Free Software Foundation gesponsert. 1996 übernahm Bruce Perens die Leitung des Debian-Projekts, seit 1999 wird der Projketleiter jährlich gewählt. Debian wurde zu einer der beliebtesten, bekanntesten und einflussreichsten Linux-Distributionen überhaupt. Die aktuelle Version Debian 8 "Jessie" verfügt mit rund 43 000 Programmpaketen aller Art über eine umfassende Softwareausstattung. Eine prägende Eigenschaft von Debian ist, dass laut dem
Gesellschaftsvertrag Debian Social Contract alle Komponenten des Hauptentwicklungszweiges freie Software sein müssen.

Anfang 2006 wurde Murdock der Chief Technology Officer der Free Standards Group und gewählter Leiter der Arbeitsgruppe, die die Linux Standard Base entwickelte. Nachdem die Free Standards Group mit den Open Source Development Labs fusionierte, wurde Murdock CTO der Linux Foundation.

Im Jahr 2007 wechselte Murdock zu Sun Microsystems und leitete dort das Projekt Indiana, das für eine bessere Kompatibilität zwischen Linux und Suns Unix-Derivat Solaris sorgen sollte. Dabei entstand Open Solaris mit Gnome und Gnu-Userland-Tools. Von März 2007 bis Februar 2010 bekleidete Mudock die Funktion des Vice President of Emerging Platforms bei Sun.

Nach der Übernahme von Sun durch Oracle schied Murdock aus der Firma aus. Zwischen 2011 und 2015 arbeitete er für Exact Target in Indianapolis, von wo aus er im vergangenen Jahr zu Docker wechselte. Zuletzt lebte er in San Francisco.

Die Umstände seines Todes am 28. Dezember 2015  sind bislang nicht restlos geklärt. Die Polizei in San Francisco geht in einer Stellungnahme gegenüber lokalen Medien allerdings von einem möglichen Selbstmord aus und bestätigt, dass sie Murdock kurz zuvor im Zuge einer Auseinandersetzung vorübergehend unter Arrest gestellt hatte. Er sei streitlustig und wahrscheinlich alkoholisiert gewesen. Dazu könnten archivierte Tweets von Murdocks inzwischen gelöschtem Twitter-Account passen, deren Autor die Ordnungshüter angreift.

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