Open Source im professionellen Einsatz

Debian-Entwickler sollen über Lenny abstimmen

17.12.2008

Die freie Linux-Distribution Debian arbeitet intensiv an der nächsten Version 5.0 des Betriebssystems, Codename Lenny. Nun sind die Entwickler dazu aufgerufen, über die weitere Vorgehensweise abzustimmen.

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Unter der Überschrift „Lenny Release General Resolution“ werden Stimmen zu insgesamt sieben Themen gesammelt. Die Entwickler sollen mit ihrem Votum den Debian-Sozialvertrag bestätigen sowie einzelne Bestimmungen der Release-Richtlinien festlegen, die so genannten Debian Free Software Guidelines (DFSG). Hier steht zur Debatte, ob auch proprietäre Firmware in Debian aufgenommen werden kann, ob diese auch ohne Quellangaben aufgenommen werden darf oder ob die projekteigenen Richtlinien in Teilen verletzt werden dürfen. Auch eine Art Beweislastumkehr für die GPL steht zur Debatte. So lange nicht das Gegenteil bewiesen ist, soll angenommen werden, dass so genannte Firmware-„Blobs“ mit der GPL konform gehen. Als Blobs werden Daten wie beispielsweise Microcode bezeichnet, die für den Betrieb einzelner Hardware-Komponenten nötig sind. Wie es in der Mail an die Entwickler heißt, werden diese Software-Schnipsel häufig von Unternehmen ohne Quellen oder Dokumentation zur Verfügung gestellt. Das Release-Team möchte diese dennoch mit in die Distribution aufnehmen und begründet dies: „Wenn wir solche Firmware aus Debian ausschließen, schließen wir die Nutzer von diesen Teilen (...) aus oder wir machen es ihnen unnötig schwer.“

Aus den Themen wird deutlich, dass der Konflikt zwischen pragmatischen Lösungen und dem Ideal der völlig freien Software zumindest in Teilen für die wiederholten Terminverschiebungen der neuen Version verantwortlich ist. Es heißt zum Abstimmungspunkt 1.3: „Wir werden die nächste Release bis zu dem Punkt hinauszögern, bis die Arbeit an der Befreiung des Betriebssystems abgeschlossen ist (nach unserem besten Wissen bis zum 1. November 2008).“ Zum Thema „proprietäre Software“ heißt es, dass zwar viele Konflikte aus der letzten Version gelöst wurden, aber: „Neue Diskussionspunkte sind vor kurzem in den Kernel-Quellen aufgetaucht.“ Das Projektteam verspricht der Community, dass keine Rückschritte hinsichtlich der Freiheit der Software gemacht werden sollen, will aber durch die Diskussion den Veröffentlichungstermin nicht allzu weit nach hinten schieben. Den Konflikt dieser beiden Ziele adressiert Abstimmungspunkt 4, mit dem das Release-Termin um die Vollmacht bittet, weitere Entscheidungen fallweise zu treffen.

Die Regeln zur Abstimmung richten sich nach der projekteigenen Verfassung. Die stimmberechtigten Entwickler haben noch bis zum 21. Dezember Zeit, ihr Votum abzugeben.

Ursprünglich war als Veröffentlichungstermin für Debian GNU/Linux 5.0 September 2008 genannt, dann war von November die Rede und es gibt Schätzungen von Projektmitarbeitern, die Juni 2009 für realistisch halten (Linux-Magazin Online berichtete).

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