Open Source im professionellen Einsatz

Debconf 2017: "Buster" im Anmarsch

07.08.2017

Rund 400 Debianer kommen seit Sonntag im kanadischen Montréal zusammen, um über die Geschicke der Debian-Distribution zu entscheiden. Mit "Buster" kündigt sich bereits die nächste Release an, die Debconf zeigt aber auch das breite Einsatzspektrum von Debian.

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Vom Hosentaschenrechner Raspberry Pi bis zum turnhallengroßen Supercomputer kommt Debian mittlerweile auf Hardware fast aller Größen zum Einsatz. Wo es nicht unter eigenem Namen firmiert, liefert Debian dennoch häufig die Grundlage für Systeme wie Raspbian, Ubuntu oder Linux Mint. Oder für H-Linux.

Über das sprach X.org-Veteran Keith Packard in seinem Eröffnungsvortrag auf der Debconf17. Packard arbeitet für HPE, das den Debian-Ableger H-Linux in einer wiederum abgewandelten Form auf der im Mai angekündigten experimentellen Hardware "The Machine" einsetzt. Der Single-Memory-Computer verzichtet auf Festplatten und spricht 160 TByte Arbeitsspeicher direkt an. Mit dem neuen Ansatz will HP die Lücke zwischen Scale-out- und Scale-up-Architekturen füllen.

Keith Packard von HPE hielt den Eröffnungsvortrag auf der Debconf 17.

Dafür stellt das Unternehmen nicht nur verschiedene Open-Source-Tools rund um die neue Hardware bereit, Debian gibt auch die Vorlage für das im Projekt verwendete H-Linux ab, einem ursprünglich für HPs Helion Open Stack entwickelten Debian-Ableger. Den habe man an die besonderen Erfordernisse von "The Machine" angepasst, erklärte Packard und plauderte noch etwas aus dem Nähkästchen.

Es sei gar nicht so einfach gewesen, überhaupt Probleme zu finden, die "The Machine" lösen kann. Schließlich sei man bei Graph-Problemen fündig geworden, für die sich die Hardware perfekt eigne. Auch für Monte-Carlo-Simulationen sei das Speichermonster hervorragend aufgestellt. Horizontal skalierbare Cluster verursachen dabei zu viel Kommunikations-Overhead, vertikal skalierbare Maschinen würden zu wenig Compute-Power mitbringen. Nicht zuletzt wies ein Konferenzbesucher auf einen weiteren möglichen Verwendungszweck hin: das Cracken von Passwörtern über Rainbow Tables. Wer sich für die Hardware interessiert, findet Software unter dem Stichwort Fabric Attached Memory auf Github. Simulieren lässt sie sich aber auch auf herkömmlichen Rechner, wie Packard erklärte.

Neues vom Installer

An Neuheiten arbeiten auch die Entwickler des Debian-Installer, für die Entwickler Cyril Brulebois auf die Bühne stieg. Nicht nur setzt die aktuelle Version zum ersten Mal per Default auf die grafische Variante, er unterstützt auch mehr Sprachen und HTTPS. Für Buster, die nächste Debian-Version, arbeiten die Entwickler am Secure-Boot-Support. Aktuell müssen User noch im BIOS herumschalten, um Secure Boot zu deaktivieren. Künftig will das Projekt Signing Keys für Secure Boot besorgen, verschiedene Pakete signieren (etwa Shim und Linux) und Infrastruktur und Installer entsprechend anpassen. Auch eine Rückportierung auf Stretch hielt Brulebois für möglich.

Die Debianer versammeln sich dieses Jahr im kanadischen Montréal.

Auf der Todo-Liste stehen auch der Wechsel zu GTK 3, die Ablöse von "input-evdev" und "input-keyboard" durch "input-libinput" und der Wegfall von alternativen Bootmethoden wie Syslinux und Isolinux. Die Filesystem-Optionen des Installers könne man zudem von denen des installierten Systems trennen um die Installations-Performance zu verbessern. Auch LVM-Support beim betreuten Partitionieren ist im Gespräch. Nicht zuletzt stellte Brulebois mit Kadit ein Tool vor, um den Installer einfacher auf Regressionen zu testen. Das Werkzeug treibt die Installation mit Hilfe von X11-Events voran und erstellt laufend Screenshots. Beim Konfigurieren helfen Playbooks im Yaml-Format.

Verschiedene Sponsoren unterstützen die Veranstaltung, die in einer schulischen Einrichtung stattfindet.

Im weiteren Verlauf der Konferenz stehen unter anderem neue Paketsysteme auf dem Stundenplan, und die Frage, wie Debian Derivate-Entwicklern das Leben vereinfachen kann. Auch das Verteilen von Software mit FAI und LTSP-Manager steht auf der Agenda, am Ende der Woche steht dann die Sicherheit stärker im Fokus. Wer es nicht nach Kanada geschafft hat, kann den Vorträgen übrigens auch per Livestream folgen, dank der Zeitverschiebung jeweils ab 16 Uhr bis in die Nacht.

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