Am liebsten verwendet Debian einen Linux-Kernel mit Long-Term-Support (LTS), den die Upstream-Entwickler rund 2 Jahre lang pflegen, beispielsweise Version 2.6.32.x für Debian 6.0 (Squeeze). Auch im Versionszweig 3 wird es solche Kernel geben, der erste wird die Nummer 3.0.1 tragen. Die für 2013 geplante Debian-Release 7.0 (Wheezy) werde vermutlich Kernel 3.2.x verwenden, schätzte Hutchings auf Anfrage. Dazu müsse das Kernelpaket allerdings auch seinen Namen von "linux-2.6" in eine versionsneutrale Bezeichnung ändern.

Der Entwickler gab einen Überblick über die Arbeit des Kernel-Teams, das neben ihm im Kern aus Maximilian Attems, Bastian Blank, Dann Frazier und Moritz Muehlenhoff besteht. Dazu kommen noch Experten für einzelne Architekturen. Viel Arbeitszeit nimmt die Untersuchung von Bugs in Anspruch, das Team habe derzeit rund 1000 offene Bugs zu bewältigen. Hutchings bat daher interessierte Debianer um Mithilfe.Zudem sucht er Entwickler mit PowerPC-Kenntnissen.

Neben der Fehlersuche pflegt das Team die Build-Konfiguration des Debian-Kernels und berücksichtigt dabei auch neu aufgenommene Treiber. Außerdem stellt es den Upgrade-Pfad zu neuen Versionen sicher. Hierbei hat es unter anderem den Umstieg auf Libata und der auf Kernel Mode Settings (KMS) gemeistert. Schließlich nimmt die Mannschaft auch Backports vor, die den stabilen Debian-Kernel mit neuen Treibern und Features versorgen - dabei dürfe sich allerdings das Kernel-ABI nicht ändern.

Mit den offiziellen Paketen bedient Debian nach Hutchings Ansicht fast alle Bedürfnisse der Anwender. Zu den wenigen Ausnahmen zählt er neue Kernelfeatures, die das Team erst oft später aufnimmt, um das Risiko von Regressionen zu reduzieren. Daneben können die Kernel-Debianer nicht alle ARM-Varianten bedienen.

Das Ziel ist ein Kernel, der sich möglichst wenig vom Vanilla-Kernel unterscheidet. Benötigt Debian dennoch ein zusätzliches Feature, sei die oberste Devise, es in den offiziellen Kernel zu bekommen. Bei Xen ist das mit Kernel 3.0 schließlich gelungen, das Realtime Patch für PREEMPT_RT zieht dort möglicherweise noch ein. OpenVZ und Vserver sind im Kernel durch Cgroups und Namespaces abgelöst worden. Das Dateisystem AUFS, das für Debian Live zum Einsatz kommt, ist dagegen nicht im Upstream-Kernel und zählt damit zum kleinen Patchset des Teams, ebenso wie Grsecurity zum Härten des Betriebssystems.

Eine Besonderheit der Community-Distribution ist der seit Squeeze von proprietärer Firmware freie Kernel. Da viele Anwender jedoch auf diese Binärdateien angewiesen sind, etwa für WLAN-Hardwarem, lassen sie sich als Paket "firmware-nonfree" nachinstallieren.

Debian-Anwender mit Kernel-Problemen empfiehlt Ben Hutchings, sich an das distributionseigene Kernel-Team zu wenden. Sollte die Ursache im Upstream liegen, werde das Team sich dann mit den Linux-Kernelentwickler kommunizieren.