Open Source im professionellen Einsatz

Chrome für Android ist nahezu Open Source

26.05.2015

Fast alle Teile des Quellcodes von Chrome für Android stehen nun bereit. Damit lässt sich ähnlich zu Chromium auf dem Desktop auch für das mobile System ein quelloffener Google-Browser erstellen.

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Mit einem riesigen Patch, der knapp 120.000 Zeilen Code umfasst, ist Chrome für Android nun "fast komplett Open Source", wie der Entwickler Aurimas Liutikas bei Reddit schreibt. Damit entspreche der verfügbare Code weitgehend dem der Desktop-Version von Chrome. Darüber hinaus gibt es nun das Build-Target chrome_public_apk, mit dem sich der Mobilbrowser vergleichsweise einfach erstellen lassen soll.

Ähnlich wie bei dem in den meisten Linux-Distributionen erhältlichen Browser Chromium können damit nun Drittanbieter eine freie Variante von Chrome für Android bereitstellen. Somit können auch grundlegende Änderungen an dem Browser vorgenommen werden, was aber wegen der Komplexität wohl nur von einem sehr erfahrenen Team durchgeführt werden könnte.

Die bekannten Unterschiede zwischen Chrome und Chromium auf dem Desktop sollen auch für den Android-Browser gelten. Das heißt, dass vor allem proprietäre oder aus Lizenzgründen problematische Bestandteile nicht veröffentlicht werden können. Laut Liutikas nutzt der Browser aber den Android Media Player zum Abspielen von Audio- und Videoinhalten, so dass die tatsächliche Unterstützung von den Herstellern der Geräte abhängt. Da diese die benötigten Codecs fast immer ausliefern, sollten die meisten Nutzer keine Probleme beim Abspielen haben.

Kritische Nutzer merken in dem Reddit-Thread zudem an, dass der Quellcode des Browsers nun zwar frei zur Verfügung stehe, der Browser aber dennoch weiterhin proprietäre Onlinedienste von Google verwende. Dadurch könnte die Privatsphäre der Anwender eingeschränkt werden. Die Verfügbarkeit des Quellcodes erlaubt es theoretisch aber, einen Ersatz für diese Dienste zu erstellen. Google stellt eine Anleitung zum Kompilieren des freien Codes für Android im Wiki des Chromium-Projekts bereit.

(Sebastian Grüner/Golem.de)

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