Open Source im professionellen Einsatz

Chemnitzer Linuxtage 2017: Hürden überwinden

13.03.2017

Bei schönstem Sonnenschein und programmatisch ansprechend präsentierten sich die Chemnitzer Linuxtage auch in diesem Jahr. Der Schwerpunkt lag diesmal auf der Barrierefreiheit, das breite Themenangebot gab aber für alle Besucher etwas her.

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"Never change a running system" gilt in der professionellen IT als eher zweifelhafter Rat, für Veranstaltungen wie die Chemnitzer Linuxtage scheint er hingegen zu funktionieren. Trotz nur kleiner Änderungen am Programm kamen in diesem Jahr laut den Mitveranstalterinnen Antje Schreiber und Christina Lohr nochmal etwa 100 Leute mehr als im letzten Jahr. insgesamt waren in den zwei Tagen bei schönstem Sonnenschein grob 3200 Besucher vor Ort, an 60 Ständen stellten sich Firmen und Projekte vor.

An etwa 60 Ständen stellten sich Unternehmen und Projekte vor.

Das Schwerpunktthema in diesem Jahr lautete "Barrieren einreißen", womit nicht nur solche im Sinne der Barrierefreiheit gemeint waren, sondern auch die Barrieren, die Menschen daran hindern, freie Software zu verwenden. Es gab auch einen eigenen Track zum Thema, in dem etwa Klaus "Knoppix" Knopper sein Adriane-System vorstellt, während die Wissenschaftlerin Irmhild Rogalla die Probleme von Gehörlosen mit aktueller Voice-over-IP-Software beschrieb.

Die Veranstalter schätzen die Zahl der Besucher auf etwa 3200.

Ansonsten standen auf dem Programmzettel Tracks für Admins, in denen es etwa um Konfigurationsmanagement (Ansible) und Softwaretests ging. Zur Sprache kamen Datenbanken (PostgreSQL), der Kernel (etwa im Kernellog von Thorsten Leemhuis), Embedded-Systeme (der freie Etnaviv-Grafiktreiber), Funk (SDR und Mobilfunk) und Security (Open SSH, Grsec) sowie einige Themen mehr. Wer nicht selbst vor Ort sein konnte, findet demnächst auch Video- und Audioaufzeichnungen, die die Veranstalter direkt in der diesjährigen Programmübersicht verlinken.

Wiederbelebt wurden die Lightning Talks, in deren Zuge Besucher in jeweils fünf Minuten ihre Projekte vorstellen konnten oder um Helfer warben. Jens Kubieziel sprach etwa über das internationale Projekt "Security without Borders", in dessen Rahmen Hacker Dissidenten helfen. Ein Student der Uni Dresden berichtete unter anderem von einem geglückten Projekt, neu ankommende Studierende mit einem USB-Stick mit freier Sofware und bekannten (freien) Windows-Programmen zu begrüßen. Entwickler Marcus Wolf stellte sein noch im Aufbau befindliches Smarthome-Projekt ("Smarthome Pi") vor, das es sich zum Ziel setzt, mit dem Raspberry Pi und über eine App verschiedene Geräte im Haushalt zentral zu steuern.

Ein Thema auf den CLT 2017 war das Internet der Dinge, zu dem auch Embedded Devices zählen.

Überhaupt, das Internet der Dinge kam auf den CLT 2017 häufiger zur Sprache. So versuchte IT-Consultant Eike Holtz das Licht in seiner Wohnung per Sprachsteuerung einzuschalten und verwendete statt Siri das Open-Source-Pendant Jasper sowie freie TTS-Systeme. Das stellte sich allerdings als nicht ganz einfach heraus. Sein Resümee: Spracherkennung ohne das Internet funktioniert nicht wirklich. Embedded-Hersteller Pengutronix präsentierte an seinem Stand unter anderem Rauc, ein selbst entwickeltes atomares und ausfallsicheres Update-Tool [PDF] für Embedded-Devices mit Support für Signaturen.

Auch Home Assistant mit seinem Support für zahlreiche Hardwarekomponenten sorgte für Aufsehen - und gewann gar den mit 2000 Euro dotierten zweiten Preis beim diesjährigen Thomas-Krenn-Award. Über den bestimmt eine externe Jury, er wird auf dem Event seit letztem Jahr vergeben. Den ersten Preis (3000 Euro) heimste diesmal das Ticketsystem Zammad ein, als Dritte  wurden die Freifunker ausgezeichnet.

Der Thomas-Krenn-Award wurde zum zweiten Mal vergeben.

Wie in den Vorjahren gab es auch wieder ein eigenes Programm für Kinder und Jugendliche, auch an Essen und Trinken mangelte es nicht. Alles in allem behaupteten sich die Chemnitzer Linuxtage also auch in diesem Jahr wieder als Deutschlands Must-See-Event für Fans freier und quelloffener Software.

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