Open Source im professionellen Einsatz

Cebit 2014: App steuert Küchengeräte

14.03.2014

Tastaturlose Informatik am Kochtopf: Gefördert durch die EU haben Studenten der Saar-Uni eine Heimautomation-Lösung mir offenen Schnittstellen geschaffen.

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Trotz einiger Bemühungen der Industrie um Kompatibilität, beispielsweise der EEBus Initiative, der Intel gerade beigetreten ist, steht es schlecht um die Offenheit bei den Schnittstellen in der Heimautomation. Fast jeder Gerätehersteller oder Versorger kocht sein eigenes Süppchen. In der Küche zumindest haben Studenten am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und ihr Betreuer Ulrich Schäfer für ein Stück Frei-Raum geschaffen, das sie auf der Cebit stolz und mit weißer Kopfbedeckung vorführten.
Von einem Induktionsherd und einer Dunstabzugshaube haben sich die Entwickler die Schnittstellendaten besorgt und einen passenden Wrapper für Open URC (Universal Remote Console) geschrieben, eine offene Mensch-Maschine-Universalschnittstelle zum Bedienen von Heizung, Herd, Kühlschrank, Fernsehern, Computern und so weiter. Einer der Studenten hat zudem eine Küchenarmatur so umgebaut, dass aus sie genau definierte Mengen Wasser abgibt.
Praktisch herausgekommen ist die Open-URC-Android-App Kochbot, die eine Google-basierte, aber auf Kochbelange angepasste Sprachsteuerung und eine Internet-Datenbank mit 38 000 Rezepten beinhaltet. Hobbyköche dürfen sich die Finger ruhig schmutzig machen, denn sie bekommen die Rezepte Schritt für Schritt vorgelesen, dürfen Fragen zu Zutaten oder zur Zubereitung stellen und bedienen die Geräte per Spracheingabe. Passend zum Kochschritt und Rezept sorgt eine Logik beispielsweise für die richtige Leistung der Dunstabzugshaube oder aus dem Hahn kommen genau 200 Milliliter Wasser gelaufen.
Kochbot wird nach dem Auslaufen der EU-Förderung als Projekt weitergeführt. Die Studenten und ihr Betreuer hoffen darauf, dass eine Community entsteht. Sie rufen darum freie Entwickler auf, eigene Hausgeräte zu erforschen und Open-URC-fähig zu machen.

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