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Bruce Perens arbeitet an OSI-Comeback

Bruce Perens sammelt derzeit Unterstützer-Stimmen für einen Sitz im Aufsichtsrat der Open Source Intiative (OSI); der Mitbegründer hatte die Organisation 1999 verlassen.

Die Open Source Initiative ist eine Organisation, die sich der Förderung von Open-Source-Software widmet. Daher klingt es zunächst logisch, wenn die Organisation von Aufsichtsratskandidaten einen Nachweis über die Unterstützung durch die Community verlangt. Daher bittet Bruce Perens auf einer Internetseite derzeit um Unterstützerstimmen.

Wenn man jedoch die Geschichte von Bruce Perens im Allgemeinen und die Enstehung der OSI im Besonderen betrachtet, sollte die Kompetenz des Kandidaten eigentlich ausser Frage stehen: Perens war der Hauptautor der Open Source Definition, bis heute Grundlage der Arbeit der OSI, und er gründete die Organisation gemeinsam mit Eric Raymond. Auch als langjähriger Projektleiter der reien Linux-Distribution Debian hat er sich einen Namen gemacht, ebenso stammen von ihm weite Teile der Linux Standard Base (LSB), die technische Grundlage für eine bessere Interoperabilität zwischen den unterschiedlichen Linux-Distributionen.

Somit wäre Perens durchaus eine naheliegende Wahl für den Aufsichtsrat der OSI. Was den Vorgang eher außergewöhnlich macht: Bereits im Jahr nach der Gründung überwarf er sich mit seinem Mitstreiter Raymonds und verließ er die OSI mit der Begründung, dass die OSI die Arbeit der Free Software Foundation (FSF) überschatten würde. In seiner Kündigungsmail schrieb er 1999: "Jetzt, wo die Welt zuschaut, wird es für uns Zeit, sie über Freie Software zu unterrichten. Achtung, ich sagte Freie Software, NICHT Open Source."

Nun wirbt Perens um Stimmen für seinen Wiedereintritt in die OSI als Aufsichtsrat. Für seine Kandidatur sieht er wichtige Gründe: Seiner Meinung nach sind derzeit kommerzielle Interessen in Form von Händlern im Open-Source-Umfeld und in den Leitungsgremien einiger Organisationen überrepräsentiert. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen und Microsofts Werben um die Open-Source-Gemeinschaft sieht er hier einen anhaltenden Trend: "Mit deren steigender Beteiligung an Open Source besteht sogar die Möglichkeit, dass Microsoft einen OSI-Sitz angeboten bekommt." Er ist der Meinung, dass "besonders diejenigen, die ein Open-Source-Produkt mehr als ihr Profit-Center betrachten denn als Teil ihres Geschäfts" nicht die Interessen der Hauptbeteiligten und der Entwickler vertreten, aber dennoch das Bild nach außen bestimmen. Er stellt klar: "Ich bin nicht gegen Händler, ich habe mehrere davon aufgebaut und mir gehört aktuell einer davon." Er habe seit vielen Jahren die ausufernden Händler-Aktivitäten bekämpft und nennt beispielhaft das dauer-prozessierende Unternehmen SCO und die Novell-Microsoft-Vereinbarung. Eine weitere wichtige Aufgabe sieht er darin, die große Anzahl der Software-Lizenzen, die sich im Umlauf befinden, einzudämmen.

Perens hält seine Gründe für so wichtig, dass er trotz der schwierigen Umstände seiner Kandidatur um öffentliche Unterstützung wirbt. Deshalb bittet er um Unterschriften und schreibt: "Unglücklicherweise wird es schmerzhaft, für das OSI-Board zu kandidieren. [...] Und es gibt böses Blut aus der Vergangenheit - einiges davon meine Schuld. Ich bin mir sicher, dass diese Kampagne einiges Material "ad hominem" [Angriffe auf die Person] im Internet etc. produzieren wird. Dies ist ein weiterer Grund, warum ich Eure Unterstützung brauche." Bislang haben sich knapp 1200 Unterzeichner gefunden.

(Britta Wülfing)
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