Open Source im professionellen Einsatz

Arduino verklagt Arduino

16.02.2015

Die Arduino-Gründergruppe um Massimo Banzi geht gegen den Hersteller der Arduino-Boards vor. Dahinter steht ein Richtungsstreit um die Zukunft des Arduino-Projektes.

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Am 23. Januar 2015 hat die Arduino LLC, nach eigener Meinung Inhaberin der Arduino-Markenrechte, eine Klage gegen Arduino S.R.L, Produzentin der offiziellen Arduino-Boards, am Massachusetts District Court eingereicht. In der Klage geht es um die Rechte am Markennamen Arduino. Bekannt wurde die Klage, als Anfang Februar der anscheinend schon länger schwelende Streit um die Führungshoheit des Arduino-Projektes in die Öffentlichkeit getragen wurde.

Obwohl sich die Arduino-Macher gegen unlizenzierte Nachahmer aussprechen, bekennt sich die Gruppe um den Arduino-Erfinder Massimo Banzi zu offener Hardware und zur Maker-Bewegung. Durch das Arduino-at-Heart-Programm für andere Hersteller, wie zum Beispiel Intel, wird versucht, die Arduino-Idee auf eine breitere Hardware-Basis zu stellen. Banzi schließt dabei nicht aus, sich stärker in China zu engagieren, um preiswerte lizenzierte Arduino-Boards anbieten zu können. Diese Strategie steht im Widerspruch zu den Interessen des derzeitigen italienischen Herstellers der offiziellen Arduino-Boards. Dieser fürchtet, dadurch Umsatz zu verlieren - oder die Produktion in Italien aufgeben und verlagern zu müssen.

Ohne dass etwas an die Öffentlichkeit drang, schien dieser Interessenskonflikt bereits 2014 zu eskalieren und wandelte sich zu einem Kampf um die Frage, wer eigentlich Arduino repräsentiere und das Projekt steuere. Dabei spielt der Streit um die Arduino-Marke genauso eine Rolle wie die Bedeutung Massimo Banzis als Führungsfigur des Arduino-Projektes.

Federico Musto, neuer CEO von Arduino S.R.L., spricht davon, dass Arduino mit multinationalen Konzernen konkurrieren müsse. Die zukünftige Rolle von Massimo Banzi reduziert er auf repräsentative Aufgaben für den Open-Source-Zweig von Arduino. Massimo Banzi erwiderte darauf, indem er darauf hinwies, dass die Firma Arduino S.R.L. nicht mit dem Arduino-Projekt gleichzusetzen sei und deutete den laufenden juristischen Streit an. Außerdem betonte er, dass er in keiner Beziehung zu Arduino S.R.L. stehe, und diese über seine Funktion innerhalb des Arduino-Projektes nicht bestimmen könne.

In der Antwort von Gianluca Martino und Frederico Musto heißt es, dass Arduino S.R.L. die Rechte an Arduino besitze, und das Arduino-Projekt ohne sie keine Boards produzieren oder lizenzieren könne. Außerdem hätten sie Massimo Banzi dafür bezahlt, dass er Öffentlichkeitsarbeit für Arduino betreibe. Weitere Reaktionen oder offizielle Statements seitens Arduino SA oder Arduino LLC stehen bislang aus. Wie der Machtkampf ausgeht, wird nun wohl von einem US-amerikanischen Gericht entschieden. Aber unabhängig davon, wie das Urteil lauten wird, Ansehen und Entwicklungsfähigkeit des Arduino-Projektes werden darunter leiden.

(Alexander Merz / Golem)

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