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Apache-Gründer Fielding: Sun betreibt Etikettenschwindel mit Open Source

Der Apache-Mitgründer Roy Fielding hat Suns OpenSolaris-Projekt verlassen und wirft dem Unternehmen vor, im Umgang mit Open Source nicht ehrlich zu sein.

Roy Fielding war im April 2005 von Sun in das Open Solaris Community Advisory Board (CAB) berufen worden. Das CAB sollte bei der Freigabe des hauseigenen Betriebssystems OpenSolaris quasi die Funktion eines Open-Source-Aufsichtsrats übernehmen und sicherstellen, dass das Projekt unabhängig vom Unternehmen agieren kann.

In einem langen Kommentar auf der Entwickler-Mailingliste wirft Fielding dem Unternehmen nun Wortbruch vor und beendet den Eintrag und seine Mitgliedschaft mit den Worten: "Jedenfalls hab ich genug. Ich gebe hiermit meinen Status als Mitglied der OpenSolaris-Community zurück, mit sofortiger Wirkung." Anlass für diese Reaktion ist die Frage, wer die Handelsmarke "OpenSolaris" kontrolliert - Sun oder die Entwicklergemeinde. Sun mit seiner Marketingabteilung nehme den Entwicklern immer wieder Entscheidungen aus der Hand, welche Projekte die Bezeichnung OpenSolaris tragen dürften, kritisiert Fielding. Als ein Beispiel führt er das Projekt "Indiana" an unter der Leitung von Debian-Gründer Ian Murdock. Fielding schreibt: "Wäre nicht Indiana auf eine so dickköpfige Art und Weise als Ians private Domäne der Community verordnet worden ("wörtlich: thrown at the community"), hätte dies tatsächlich ein einigender Weg für alle Distros werden können." Hiermit bezieht er sich auf den Umstand, dass Sun die Entwicklerversion nicht unter dem Namen Project Indiana, sondern OpenSolaris Developer Preview veröffentlicht hatte ( Linux Magazin Online berichtete). Fielding ärgert sich: "Indiana ist nur ein weiteres privates Marketing-Team innerhalb von Sun, das Privatentscheidungen über 'OpenSolaris' trifft, die nicht einmal mit den internen Prozessen von Solaris Ingenieuren abgestimmt sind, geschweige denn mit dem öffentlichen Regelmodell von OGB (OpenSolaris Governing Board)."

Fielding kommentiert seine Entscheidung in einem neu eingerichteten persönlichen Blog noch einmal ausführlich und bezeichnet die aktuelle Politik von Sun als Etikettenschwindel. Sun habe jedes Recht, die Kontrolle über seine Projekte zu behalten, jedoch könne dies nicht als "offene Entwicklung" bezeichnet werden. Sun solle sich ein Beispiel an seiner jüngsten Akquise, dem frisch gekauften Open-Source-Datenbank-Unternehmen MySQL nehmen. MySQL sei zwar ein Open-Source-Unternehmen, habe aber keine offene Entwicklung. Fieldings Empfehlung: "Sun sollte weiterziehen, die Charta auflösen, die sie derzeit ignoriert und den Regierungsstil von MySQL übernehmen. Dieses Unternehmen gibt nicht vor, dass ihre Community an ihren Entscheidungen teil hat, und dennoch stellen sie die meisten ihrer Anwender zufrieden." Er selbst betrachtet seinen Schritt als konsequent: "Sun hat meinen Namen als 'Beweis' gebraucht, dass sie auf die offene Entwicklergemeinde hören, also musste ich gehen."

(Britta Wülfing)
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