Open Source im professionellen Einsatz

100 Millionen Euro an Microsoft und HP: FSFE wirft Europäischer Kommission Scheinheiligkeit vor

10.07.2014

Die Europäische Kommission schaffe es nicht, das selbst umzusetzen, was sie anderen predige. So lautet das Fazit einer Pressemitteilung der FSFE, in welcher der europäische Freie-Software-Verband die jüngst erneuerte Bindung der EC an Microsoft scharf kritisiert.

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Im April habe die Kommission zwei Verträge im Wert von um 100 Millionen Euro mit dem amerikanischen Softwarekonzern und seinem Dienstleister HP geschlossen, schreibt die FSFE in ihrer Meldung. Während sie auf der einen Seite vorgebe, Open Source und freie Software zu fördern, schreibe sie mit diesen Rahmenverträgen zahlreichen Organisationen den Vendor-Lock-In quasi vor, kritisiert Karsten Gerloff, Präsident der FSFE, und fährt fort: "Die Kommission hat nicht mal nach Alternativen gesucht, ihr fauler Ansatz bezüglich der Ausschreibungsthematik stinkt, mindestens nach Untätigkeit."

Mit gespaltener Zunge?

Das Ganze,so die FSFE, sei umso unglaublicher, als die Kommission in den letzten Jahren zugegeben habe, sich in "Gefangenschaft" von Microsoft zu befinden, mache jedoch entgegen der in Strategiepapieren geäußerten Absicht keinerlei Anstalten, sich davon zu befreien. Das neue teure, Vendor-Lock-In-behaftete Commitment bewertet die FSFE als einen großen Rückschritt. Gleichwohl wolle man weiter mit der Europäischen Kommission kooperieren und bei allen Verbesserungen helfend zur Seite stehen, etwa bei der Softwarebeschaffung, Standardisierung, wirklich fairen Ausschreibungen und TCO-Analysen, die auch zukünftige Ausstiegsszenarien beinhalten.

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