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© NASA

Neuerungen in Eclipse Helios

Zur Sonne, zur Freiheit

von Robert Wloch
Erschienen im Linux-Magazin 2010/08

Seit 2004 veröffentlicht das Eclipse-Team jedes Jahr Ende Juni eine Majorrelease. Nach "Galileo" 2009 erscheint dieses Jahr "Helios" am Firmament - Grund genug, die Beobachtungsposition einzunehmen.

Die meist kleinen Versionssprünge der Plugins im Eclipse SDK (Tabelle 1) könnten vermuten lassen, dass sich die neue Release namens Helios [3] nur wenig vom Vorgänger unterscheidet, zumal sich die IDE nach dem Start im gewohnten Antlitz präsentiert (Abbildung 1). Viele Neuerungen stecken jedoch im Detail und dienen zum Beispiel dem verbesserten Handling oder der Konfigurierbarkeit oder erweitern eines der zahlreichen Plugins. Zu den bemerkenswerten neuen Features zählen etwa:

  • Die Visualisierung von C/C++-Aufrufgraphen (Plugin: C/C++ Call
    Graph Visualization).
  • Dokumentations-Tooltipps für C/C++ im Editor (Plugin:
    C/C++ Library API Documentation Hover).
  • Git-Unterstützung (Plugins: Eclipse Egit und Eclipse
    Jgit).
  • Unterstützung für die Rich Ajax Platform (EMF RA
    Eclipse Modeling Framework, [4]) im Rahmen des Eclipse Modeling
    Framework.
  • Linux-Tools-Project-Plugin mit zahlreichen Werkzeugen rund um
    Software-Entwicklung unter Linux [5].
  • Installationsassistent für Plugins von Drittanbietern
    (Plugin: Marketplace Client, [6]).
  • Unterstützung bei der Migration alter Legacy-Produkte zu
    modellbasierten Lösungen (Plugin: Modisco, [7]).
  • Parallel Tools Platform [8], die die Entwicklung paralleler
    Anwendungen fördert.

Die Plugins EMF Data Integrity, Java Code Review Feature, Log Analysis Core, TPTP Analysis und UML2 Tools sind nicht mehr im Software-Repository von Helios enthalten. Gerade das Fehlen von UML2 Tools überrascht: Hier gibt es gar keinen Releaseplan für Eclipse Helios.


Abbildung 1: Bis auf einen »Save All«-Schalter in der Werkzeugleiste präsentiert sich Helios auf den ersten Blick nicht anders als der Vorgänger Galileo.


Tabelle 1: Plugin-Versionen

Dutzende Neuerungen

Eine Statistik verdeutlicht weitere Unterschiede zum Vorgänger: 20 Plugins haben eine neue Hauptversionsnummer, 65 erfahren Aktualisierungen, fünf bleiben unverändert, weitere fünf entfallen und rund 40 kommen neu hinzu. Diese Zählung fasst alle Plugins ein und desselben Projekts zusammen, sodass ihre Gesamtmenge im Helios Software Repository noch größer ist.

Alle Änderungen des API sind in der integrierten Hilfe dokumentiert, die via »Help | Welcome | What\'s New« zu erreichen ist. Die dort enthaltenen Hinweise erleichtern nicht nur das Anpassen von Code an die veränderten APIs, sondern zeigen auch Änderungen am Userinterface und an der Konfiguration von Eclipse im Detail. Dies sind die herausragenden Verbesserungen:

  • Es lassen sich nun in den Projekteigenschaften komplexe Filter
    einrichten, die bestimmte Dateien oder Verzeichnisse vor dem
    Eclipse-Ressourcensystem und diversen Workspace-Buildern
    verbergen.
  • Das Quick-Access-Menü ([Strg]+[3]) zeigt nun auch die
    Tastenkombinationen der aufgelisteten Befehle an.
  • Der Javadoc-Tooltipp im Java-Editor enthält in Helios
    weitere Informationen (Abbildung 2).
  • Die Konfiguration des Java-Formatters bietet zusätzliche
    Einstelloptionen.
  • Konditionen für die Aktivierung eines Breakpoints
    können nun direkt in der Breakpoint-View bearbeitet werden.
    Dabei steht auch die gewohnte Code-Completion zur
    Verfügung.
  • Das Platform Test Framework unterstützt Junit4.
  • Interessant für Linux-Nutzer ist insbesondere, dass die
    Größe der meisten Tooltipp-Fenster jetzt änderbar
    ist.


Abbildung 2: Der Tooltipp zeigt nun auch Annotationen und sogar Feldwerte an.

Verschiedene Tests stellen sicher, dass Eclipse 3.6 auf aktuellen Referenz-Plattformen und -Betriebssystemen lauffähig ist. Tabelle 2 zeigt, welche Hardware dieser Betriebssysteme die neue Eclipse-Release offiziell unterstützt.


Tabelle 2: Unterstützte Referenzplattformen

Veränderungen bei Plugins

Die Java-Development-Tools enthalten viele Verbesserungen, die Entwicklern vor allem mehr Informationen anbieten. Beispiel dafür sind die Tooltipps, die nun Annotationen anzeigen. In der Debug-Perspektive gibt es neben der verbesserten Breakpoint-View jetzt auch ein Spaltenlayout in der Expressions-View, die auch Inline-Editoren unterstützt.

Für die Entwicklung von Hilfe-Plugins stehen verbesserte Editoren für die Inhaltsverzeichnis- und Kontexthilfe-Dateien zur Verfügung. Diese Editoren zeigen nun auch XML- und Rechtschreibfehler an. Außerdem erlaubt Helios die Auswahl von Features anstelle von Plugins bei der Erstellung einer Run-Konfiguration, was die Auswahl in der Liste erheblich verringert (Abbildung 3).


Abbildung 3: Run-Konfigurationen lassen sich anhand von Features erstellen.

Mit der neuen Hauptversion 7.0.0 sind die C/C++-Development-Tools in Helios mit einigen Verbesserungen vertreten: Die Outline-View ermöglicht das Gruppieren von Makros, mit Codan steht ein neues Framework zur Code-Analyse bereit, das Springen in den Quellcode von Fehlermeldungen des Compilers ist möglich - dazu lassen sich Compilermeldungen mittels regulärer Ausdrücke nach Datei, Zeilennummer und Beschreibung parsen - und der Debugger erlaubt das Anhalten einzelner Threads während andere fortfahren.

Mit den Linux Tools erhält Eclipse erstmals eine Palette von Werkzeugen, die sich gezielt der Software-Entwicklung unter Linux widmen. So basieren die Linux Tools auf den C/C++-Development-Tools, ergänzen diese jedoch durch die Integration nativer Entwicklungswerkzeuge wie beispielsweise der GNU Autotools, Valgrind, Oprofile, Gcov, Gprof oder eines Editors für die Spezifikation der RPM-Pakages (siehe Artikel hier im Schwerpunkt).

In den letzten Jahren sind viele Projekte rund um die Softwaremodellierung entstanden. Sie alle beziehen sich auf das Eclipse Modeling Framework. Version 2.6, die in Helios enthalten ist, erweitert die Möglichkeiten zur Validierung und Modifikation von Modellelementen. Zudem unterstützt das EMF künftig bei der Codegenerierung die Rich Ajax Platform und das Google Web Toolkit.

Das CDO-Model-Repository-Projekt (Connected Data Objects) erfährt im zweiten Jahr hintereinander einen großen Versionssprung. Version 3.0 des Frameworks verbessert verteiltes Modellieren durch Branch- und Merge-Unterstützung. Außerdem lassen sich Abfragen auch in SQL spezifizieren und über einen Clone-Mechanismus Offline-Repositories betreiben - ähnlich wie bei Git.

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