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© Adam Wolszczak, 123RF.com

Bei der Administration von Vclouds bleibt Linux außen vor

Wählerischer Platzhirsch

von Charly Kühnast, Marcel Schynowski, Norbert Graf, Markus Feilner
Erschienen im Linux-Magazin 2010/08

VMwares Vsphere ist der unangefochtene Marktführer der privaten Clouds. Zwar bringt der Hypervisor eine Red-Hat-Linux-Konsole, ein CLI und einen Webclient mit, das vollständige GUI ist jedoch nur den Windows-Anwendern vorbehalten.

Mit dem Nachfolger der Virtual Infrastructure 3, unter dem neuen Namen Vsphere 4 [1] auf dem Markt, betreibt der Platzhirsch unter den Virtualisierungen sichtbar seine Revierpflege. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Suite von Produkten: von den Essentials für Einsteiger über Standard und Advanced bis zur Enterprise-Plus-Version für große Umgebungen. Die Unterschiede liegen vor allem in der Flexibilität beim Zuweisen virtueller Hardware und natürlich im Preis. Den VMware Vsphere 4 ESXi Single Server gibt\'s zwar kostenlos zum Testen, mittlere Setups rangieren aber schnell bei 100000 Euro und mehr [2].

Vsphere setzt bei ihren ESX-Systemen auf einen Typ-1-Hypervisor, der direkt auf der Hardware läuft, im Gegensatz zu Produkten wie Xen oder KVM, die als Typ-2-Hypervisor auf einem Betriebssystem aufsetzen. Der Nachteil ist offensichtlich: VMwares ESX muss sich selbst um Hardwaretreiber kümmern, ist dafür aber unabhängig von etwaigen Fehlern des Betriebssystems darunter.

Eine VMware-Cloud (Vcloud) besteht dabei aus mehreren ESX-Servern, die ein zentrales Vcenter (Abbildung 1) verwaltet. Als Stadardwerkzeug dafür dient dem Admin der Vsphere-Client (Abbildung 2). Der wiederum steuert die ESX-Server beispielsweise über deren Servicekonsole, einem mitgelieferten, abgespeckten Red-Hat-Linux als virtuellem Host.


Abbildung 1: Vsphere bietet Verwaltungstools, mit denen Administratoren – allerdings nur unter Windows - auch große ESX-Server-Farmen verwalten.


Abbildung 2: Der umfangreiche Vsphere-Windows-Client beherrscht auch komplexeste Funktionen.

HA und Green IT

Die Vsphere 4 kann ihren Gästen 255 GByte RAM und bis zu acht virtuelle CPUs zuweisen. Sowohl Speicher als auch Prozessoren lassen sich den Hosts im laufenden Betrieb on the Fly zuordnen - wenn das Gastsystem solche Operationen unterstützt.

Für die HA-Anwender interessant ist das als Fehlertoleranz (Fault Tolerance, FT) bezeichnete Feature, mit dem VMware einen Gast auf zwei Wirtsmaschinen gleichzeitig betreibt und beim Ausfall automatisch umschaltet. Die Technik unterliegt dabei allerdings einigen Einschränkungen: Ein FT-Gastsystem muss mit einem einzigen virtuellen Prozessor auskommen und seine Daten auf einem externen Speicher ablegen. Das Erstellen von Snapshots ist in derartigen Szenarios nicht möglich.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Vsphere sind die Green-IT-Features. Das Distributed Power Management verschiebt die Gastsysteme einerseits bei hoher Last zwischen physikalischen Servern, um die Hardware-Ressourcen möglichst gleichmäßig auszunutzen. Sinkt andererseits die Last auf den Servern, zum Beispiel wenn die Mitarbeiter abends die Arbeitsplätze verlassen, konzentriert der Ressourcen-Verteiler automatisch die laufenden Gastsysteme auf so wenige Wirtssysteme wie möglich und schaltet die überzähligen Maschinen ab. Steigt die Last wieder, weckt er die schlafenden Server selbstständig.

APIs, Storage und PCI

Unter der Bezeichung VM-Safe erlaubt VMware den Herstellern von Antivirus- und sonstiger Sicherheitssoftware über drei Schnittstellen die direkte Integration in die Hypervisor-Schicht. Die APIs kümmern sich um unterschiedliche Datenströme:

  • Das V-Compute-API ermöglicht es, Speicherzugriffe und den
    CPU-Status zu inspizieren.
  • Das V-Network-Appliance-API, auch DV-Filter genannt, bildet
    einen Paketfilter zwischen der virtuellen Netzwerkkarte und dem
    virtuellen Switch. Mit DV-Filtern ist jede Art der
    Paketmanipulation möglich, beispielsweise lässt sich an
    dieser Stelle eine Firewall platzieren.
  • Das Virtual-Disk-Development-Kit-API (VDDK-API) und das
    zugehörige Entwicklungsframework erlauben Antivirus-Software,
    die nicht mehr in der virtuellen Maschine selbst installiert sein
    muss.

Von diesen, angeblich sehr mächtigen Schnittstellen ist aber nur das VDDK-API öffentlich zugänglich, die Nutzung der V-Compute- und DV-Filter-APIs ist auf ausgewählte Partnerfirmen beschränkt. Welche Nutzungsmöglichkeiten die Partner noch aus dem Hut zaubern, bleibt offen. In einem Blog schrieb VMwares Sicherheitsarchitekt Michael Haynes vor wenigen Wochen, dass zumindest für das DV-Filter-API Pläne existieren, "die deutlich über den Einsatz als Sicherheits-Bordmittel hinausgehen" [3].

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Kommentare (1)
von
LD,
26.10.2010 17:41
Artikel schlecht recherchiert
1. Kleine bis mittlere Umgebungen liegen bei den Lizenzkosten weit unter 100.000€. Bei den derzeitigen Lizenzkosten der größten Version (Enterprise Plus) kommt man bei der Rechnung auf 20x 2-Wege Server bzw. 40 CPU Sockets (max 12 Cores).
(ohne Rabatt)


2. Das VMware auf eigene Treiber setzt ist kein Nachteil sondern ein Vorteil. Nicht ohne Grund wird VMware von der derzeit weit verbreiteten ESX Variante zur ESXi Version wechseln. Durch die RHEL Konsole sind viel zu viele Updates nötig, was einen höheren administrativen Aufwand bedeutet. Zumal die Installation auf zertifizierten Systemen eine Selbstversändlichkeit sein sollte, man bewegt sich schliesslich im Enterprise Umfeld und nicht in der Frickel-Garage vom Nachbarn.