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Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher

Projekteküche

von Mela Eckenfels
Erschienen im Linux-Magazin 2010/08

Subversive soziale Netzwerke gründen leicht gemacht - Crabgrass sagt Facebook & Co. den Kampf an und Clipperz verwahrt die dabei anfallenden Passwörter. So viel Aktivität muss belohnt werden, daher gibt\'s zum Frühstück Thunfisch-Rillettes.

Facebook okkupiert das ganze Internet. Das ganze Internet? Nein, ein kleines, von unbeugsamen Programmierern bevölkertes Dorf leistet den kontrollierten "sozialen" Netzwerken Widerstand und tritt an, um die Privatsphäre zurückzugewinnen. Ihre Geheimwaffe hört auf den Namen Crabgrass [1].

Crab grass (Fingerhirse auf Deutsch) ist eine harte, zähe Grassorte, die Gartenliebhabern immer wieder Kopfschmerzen bereitet. Sie verdrängt ordentlichen Rasen sowie Nutzpflanzen. Ihr ist nur mit harten Pestiziden beizukommen - keine unpassende Namenswahl für das 2009 gegründete Projekt.

So wie die Grassorte den Gärtner eines makellosen englischen Rasens ärgert, wollen die mit Crabgrass verwalteten Initiativen hartnäckig im Web-2.0-Vorgarten jener sozialen Netze wuchern, die sich eine tragende Rolle im Zusammenleben und -arbeiten mit unseren Mitmenschen erschlichen haben. Studenten eines Fachbereichs kommunizieren über Studi VZ [2], ein Flashmob organisiert sich über Facebook [3] und die Anmeldung zur Firmenparty läuft über Xing [4].

Und das, obwohl Netzwerke in der heutigen Form ein Unsicherheitsfaktor sind. Nicht nur, dass die Anbieter alle zwei Wochen die Einstellungen zur Privatsphäre grundlegend überarbeiten - und verschlechtern. Außerdem weiß niemand so genau, wem überhaupt die Daten der Anwender gehören oder ob der Dienst in drei Monaten noch am Markt ist.

Was Facebook kann ...

... können wir schon lange, mögen sich die Crabgrass-Entwickler gedacht haben. Was nach einem vermessenen Vorhaben klingt, ist in der Realität gar nicht mal so weit vom Ziel entfernt. Das in Ruby on Rails implementierte System bietet alles, was das Web-2.0-Herz begehrt, und stellt Werkzeuge zur Vernetzung, Organisation und Zusammenarbeit bereit.

Crabgrass offenbart seine Stärken vor allem in Hinblick auf die Zusatzfeatures. Unter der Haube arbeiten Groupware-Tools, zum Beispiel ein integriertes Wiki (siehe Abbildung 1), Diskussionsforen, die Aufgabenverwaltung für Personen, Gruppen und Teilgruppen, eine Abstimmungsplattform und eine kleine, aber feine Dokumentenverwaltung. Dazu kommen Tasklisten, Blogs, Bildergalerien, Privatchats und vieles mehr.


Abbildung 1: Gar kein lästiges Unkraut – das Crabgrass-Dashboard bietet schnellen Zugriff auf das integrierte Wiki, Benutzer und Gruppen.

In einer der kommenden Versionen planen die Entwickler außerdem, Crabgrass um eine dringend notwendige Terminverwaltung zu ergänzen. Im Gegensatz zu den meisten Groupware-Suites schafft Crabgrass das Kunststück, weitgehend intuitiv bedienbar zu bleiben. Eigentlich ist Crabgrass weder eine klassische Groupware noch ein reines soziales Netzwerk - eigentlich trifft die Bezeichnung Social Groupware am besten.

Verflixte Verwaltung

Wo Crabgrass bei der Bedienung punktet, hakt es bei der Administration. Die ist wirklich gewöhnungsbedürftig und die Installation ist nur lückenhaft dokumentiert. Kommt die Software auf einem anderen System als Debian zum Einsatz, sollte der Admin einen ausreichend großen zeitlichen Spielraum einplanen, um auftretende Probleme in Ruhe ausbügeln zu können. Wer Lust hat, bei der Crabgrass-Anleitung zu helfen, findet entsprechende Hinweise im Bereich »Documentation« auf der Projekt-Webseite.

Auch wenn Crabgrass Facebook & Co. sicherlich nie ersetzen wird, bietet es kleineren und mittleren Organisationen doch eine Möglichkeit, die interne Kommunikation in der eigenen Hand zu behalten und Mitglieder sowie deren Daten zu schützen.

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