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Drei Benediktinerschwestern setzen sich in Afrika für Linux ein

Mission Linux

von Britta Wülfing
Erschienen im Linux-Magazin 2010/08

Besuch aus Afrika ist bei den Benediktinerinnen in Tutzing am Starnberger See: Die Ordensschwestern Christiane, Lioba und Paula haben von ihrer Missionsstation im kenianischen Hinterland per E-Mail mit Linux4afrika Kontakt aufgenommen. Jetzt gehen mehr als vierzig 40 Linux-Rechner auf die Reise an den Äquator.

Die Aussicht auf den Starnberger See ist idyllisch, auch wenn tief hängende Regenwolken die Alpen in graue Schleier hüllen. An der Pforte der Kongregation der Missionsbenediktinerinnen steht eine zierliche Frau in hellgrauer Ordenstracht - Schwester Christiane. Hellwache Augen strahlen aus ihrem glatten Gesicht, ihr Händedruck ist fest. Einziges Anzeichen für ihr Alter ist ein Stock, die Schwierigkeiten beim Laufen sind der Grund für ihren mehrwöchigen Aufenthalt in Deutschland. Auch zwei Schwestern aus Afrika sind zu Besuch, eine gute Gelegenheit für ein Gespräch über ihre Arbeit in den ostafrikanischen Tropen.

In Afrika seit 1890

Ein gerahmtes Bild im Klosterflur zeigt in Baumform die Geschichte der Kongregation: Im Jahr 1885 in Reichenbach gegründet, folgte das Ordenshaus in Tutzing 1904. Erste Missionsstationen in Ostafrika um 1890 mussten noch der Gewalt weichen, wie Schwester Christiane mit ruhiger Stimme berichtet.

Seit 1920 ist der Orden in Nairobi präsent. Die ausgebildete Medizinerin arbeitet seit 1975 in Afrika, zunächst als Chefärztin in einem Krankenhaus in Tansania, bis sie 1987 in das Mutterhaus nach Nairobi wechselte. Dort war sie lange Zeit Priorin, zog sich jedoch 1992 in eine Einsiedelei auf dem Klostergelände zurück.

Steht das Organisieren von Computern für Hilfsprojekte nicht im Widerspruch zum Leben in Abgeschiedenheit? "Von den Linux-PCs habe ich letztes Jahr aus dem Sonntagsblatt erfahren. Wir bekommen deutsche Tageszeitungen, zwar etwas verspätet, aber da las ich über eine Computerlieferung nach Mosambik."

Als einzige Deutsche vor Ort sieht sie sich in der Pflicht, den wichtigen Kontakt mit Spendern und Organisationen in Deutschland aufrechtzuerhalten. "Not lehrt Beten", meint sie, "oder in meinem Fall eben den Umgang mit Computern, Linux und dem Internet."

Bis dahin hatte sie zwar wenig über Open Source gewusst, aber das schreckte die Ordensfrau nicht. Sie holte sich den Erfahrungsbericht von einem Grundschulprojekt ihres zweiten Hauses in Ruaraka (Nairobi, [1]): "Schwester Emily hatte 40 Computer für die Grundschule bekommen und sie ist damit bis heute sehr zufrieden, sowohl mit dem ganzen Ablauf als auch mit den Rechnern", berichtet sie (Abbildung 1).


Abbildung 1: Rechner von Linux4afrika in einer afrikanischen Grundschule..

Linux4Afrika gibt es seit 2006, einer der Hauptinitiatoren ist der Forensikexperte Hans-Peter Merkel. Die von der Unesco ausgezeichnete Hilfsorganisation [2] hat mittlerweile ein ausgedehntes Netzwerk auf dem schwarzen Kontinent und reichlich Erfahrung gesammelt, wie Merkel dem Linux-Magazin berichtet: "Wir konnten viele Empfehlungen von IT-Experten einfließen lassen, die sich mit den technischen Verhältnissen vor Ort bestens auskennen. Wegen der unzuverlässigen Internetversorgung sind die Rechner mittlerweile zum Beispiel mit einer kompletten Offline-Wikipedia ausgestattet."

Lioba und Paula

Inzwischen sind Sr. Lioba und Paula zu dem Gespräch gestoßen (Abbildung 2). Im Gepäck der Linux-Magazin-Redakteure sind auch zwei Laptops vom Linux4Afrika-Projekt ([3], [4]) mit installiertem Edubuntu. Auf ihrem Flug zurück nach Kenia wollen sie die zwei Ubuntu-Laptops mitnehmen. Die Rechner sind für das Health Center in Endo bestimmt, das die ausgebildete Krankenschwester Lioba mit einer weiteren Schwester betreut. Gegründet im Jahr 1987, liegt die Krankenstation mit 40 Betten 200 Kilometer von der nächsten Stadt Eldoret entfernt im Keriotal (Abbildung 3) und versorgt rund 5000 Einwohner. Da die Entfernung bis Eldoret bei kenianischen Straßenverhältnissen eine Tagesreise bedeutet, sich aber erst dort der nächste Techniker findet, ist es umso wichtiger, dass die Rechner auch ohne technische Betreuung einwandfrei laufen (Abbildung 4).


Abbildung 2: Sr. Lioba und Sr. Paula sind begeistert von dem Linux-Laptop, links Sr. Christiane.


Abbildung 3: Im Keriotal findet vieles unter freiem Himmel statt, hier eine Hygieneschulung.


Abbildung 4: Bei technischen Problemen einen Spezialisten zu bekommen gestaltet sich schwierig.

Ideale Voraussetzungen also für Linux. "Deshalb waren für mich auch die guten Erfahrungen von Schwester Emily mit den Linux-Rechnern so wichtig", erklärt Christiane. Schwester Lioba hat sich bereits einen der Rechner auf den Schoß genommen und probiert alle Funktionen der Gnome-Oberfläche durch.

Mit weiß blitzendem Lächeln im schwarzen Gesicht klopft sie in die Tasten und unterbricht nur kurz, als der Laptop piepst und nach dem Ladegerät verlangt. Die Probleme mit der Elektrizitätsversorgung sind vor Ort ein zentrales Thema: Erst einen Tag vor dem Gespräch wurde das Keriotal an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.

Mit ihren neuen Linux-Rechnern wollen die Schwestern nicht nur die Krankenakten führen, sie erhoffen sich eine bessere und schnellere Versorgung der Station im afrikanischen Outback mit Medikamenten, die sie in Nairobi bestellen müssen. Der Internetanschluss klappt meist recht gut über WLAN, berichten sie. Auf die Frage nach ihrem größten Wunsch für die Krankenstation zögert Schwester Lioba keine Sekunde: "Wasser! Eine zuverlässige Wasserversorgung wäre für uns sehr wichtig. Es gibt zwar einen Brunnen, aber die Pumpe funktioniert nicht und die Vorräte in den Tanks halten immer nur zwei Wochen."

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