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© Sean Prior, 123RF.com

Neues bei Debian

Debianopolis

von Martin Loschwitz
Erschienen im Linux-Magazin 2010/08

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Dass sich bei der Debconf Debian-Entwickler aus aller Herren Länder treffen und von Angesicht zu Angesicht diskutieren, ist bekannt (Abbildung 1). Manche wissen auch, dass von vielen Debian-Konferenzen in den letzten Jahren wichtige Impulse für das Projekt ausgegangen sind. Aber wer weiß schon, wie die erste Debconf aussah und wie viele Menschen beteiligt waren?


Abbildung 1: Nach zehn Jahren ist die Debconf zu einem Gemeinschaftsprojekt der weltweit verstreuten Debian-Entwickler herangewachsen.

Wie alles begann

Die erste Debconf war noch keine echte: Im Juli 2000 trafen sich im Rahmen des Libre Software Meetings (LSM, [1]) ein paar Debian-Entwickler in Bordeaux, um über Debian-spezifische Themen zu debattieren. Im Programmheft versteckte sich die Veranstaltung als "Subtopic". Sie versammelte deutlich unter 100 Teilnehmer, die sich um Anreise, Unterkunft und Themenwahl selbst kümmerten. Entsprechend eingeschränkt war das Spektrum der anwesenden Entwickler, denn die meisten waren Europäer. Der riesige Block amerikanischer Debianer blieb praktisch außen vor - der Weg war einfach zu weit und die Veranstaltung noch zu unbekannt.

Ein Jahr später trafen sich die Entwickler wieder in Bordeaux anlässlich des LSM, wieder war Debian ein Unterthema und wieder waren fast nur europäische Entwickler zugegen. Aber anders als im Vorjahr verließen sie Bordeaux mit einem Vorsatz: Ab sofort sollte es eine jährliche Entwicklerkonferenz geben, an unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Themen - ganz alleine für Debian. Die Debconf war geboren.

Im Juli 2002 fand dann die Debconf 2 in Toronto statt. Die "2" ergibt sich aus dem Umstand, dass die Organisatoren beide Treffen in Bordeaux mitzählten und bei Null begannen. Joe Drew sah sich als Hauptorganisator erstmals mit den charakteristischen Herausforderungen aller späteren Debconfs konfrontiert. Mehr als 100 Debianer wollten teilnehmen - die mussten irgendwo schlafen, etwas essen und überhaupt nach Toronto kommen. Denn Debian wird nicht von Geschäftsleuten gemacht, sondern auch zu einem großen Teil von Schülern und Studenten.

Joe Drew ermöglichte mit Hilfe von Sponsoren fast jedem Interessierten die Teilnahme. Die Debconf 2 verdiente sich einen so guten Ruf, dass es in den folgenden Jahren zum guten Ton gehörte, dabei zu sein. Ein Ortswechsel im Jahresrhythmus spielte sich ein: In einem Jahr findet die Debconf in Europa statt, im nächsten auf einem anderen Kontinent. Unter den Austragungsorten waren Porto Alegre in Brasilien, Helsinki, das mexikanische Oaxtepec und Edinburgh. Zum Zehnjahres-Jubiläum geht es dieses Jahr nach New York.

Ein stattliches Event

Die Zahl der Teilnehmer stieg im Laufe der Jahre, so besuchten 509 die Debconf 6 in Mexiko. Und Sponsoren schmücken sich mittlerweile gerne mit ihrer Hilfe: HP ist seit Jahren Premium-Sponsor, die Debconf 10 unterstützen Riesen wie Google und Intel.

Dass Sponsorengelder unverzichtbar sind, belegen eindrucksvoll beispielsweise die Zahlen der Debconf 7 in Edinburgh: Reisekostenzuschüsse, Gratis-Catering für Registrierte sowie Netzwerk und Unterbringung verschlangen nebst weiteren Posten fast 68 000 Pfund - beim damaligen Wechselkurs mehr als 100 000 Euro. Der Report zur Debconf 7 [2] gibt einen guten Überblick über Ausgaben und Einnahmen.

Auch das Organisationsteam ist angewachsen. Für die Debconf 7 bestand es aus mehr als 20 Leuten. Mit Erfolg: Die Sponsoren waren begeistert von der guten Arbeit, die die Entwickler auch organisatorisch leisteten. Die Debconf 10, die vom 1. bis 7. August 2010 nach New York lädt [3], darf man also getrost mit Vorschusslorbeeren versehen. (ake)

Infos

[1] Debconf 0: [http://debconf0.debconf.org]

[2] Report zu Debconf 7:[http://media.debconf.org/dc7/report/debconf7-report-small.pdf]

[3] Debconf 10: [http://debconf10.debconf.org]

Der Autor

Martin Gerhard Loschwitz ist Senior Technical Consultant bei Linbit und seit vielen Jahren Debian-GNU/Linux-Entwickler.


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