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© Anneke_Schram, 123RF.com

Linksys NSLU2 und Alternativen

Nette Linux-Schnecke

von Eitel Dignatz
Erschienen im Linux-Magazin 2010/06

Der Heimserver Linksys NSLU2 reicht als preiswerte Plattform für anspruchslose Linux-Anwendungen. Für andere Zwecke ist das auch liebevoll als Schnecke (Slug) bezeichnete Gerät jedoch zu langsam, ein moderner Embedded-Computer muss her. Ein Erfahrungsbericht.

Pfusch am Bau sorgte dafür, dass im Winter 2008/2009 in einem Privathaus in Portugal ein ungewöhnliches Linux-Projekt begann. Das Szenario: Das nagelneue Flachdach über dem Schlafzimmer war undicht, Decke und Wände feucht, der Bauunternehmer machte Ausflüchte. Ich half der Besitzerin, indem ich mit Sensoren die Feuchtigkeit maß. Zum automatisierten Aufzeichnen und Auswerten der Messwerte setzte ich zwei kleine Linksys-Fileserver unter Debian ein.

1-Wire plus NSLU2

Für diese Aufgabe habe ich zwei Stränge mit 1-Wire-Sensoren [1] installiert, die im Haus und im Freien sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit messen. OWFS-Software [2] unter Linux erfasst die Messwerte und speichert sie lokal. Ein Rechner in München holt die Daten über DSL ab und verarbeitet sie. Bei Bedarf löst das System per Asterisk eine telefonische Alarmierung aus. Die beiden Linksys NSLU2 in Portugal erlauben zudem lokales SSH-Portforwarding, sodass eine IP-Kamera, ein IP-Powerswitch, ein 1-Wire-Powerswitch und ein VoIP-Telefon im Haus SSH-gesichert erreichbar sind.

Nach einem kurzen Intermezzo mit zwei gebrauchten 15-Euro-Pentium-III-Desktops entschied ich mich für den Linksys NSLU2 (Abbildung 1) mit ARM-Architektur, scherzhaft auch Slug (Schnecke) genannt [3], der etwa bis Jahresende 2009 noch als Neugerät verfügbar war. Auf dem Gebrauchtmarkt findet man das Produkt weiterhin häufig und zu geringem Preis. Bei einem Neupreis von 80 bis 90 Euro inklusive Versand war dies genau das richtige Gerät für das Sensornetz - vorausgesetzt man tauscht die Software aus.


Abbildung 1: Der Linksys NSLU2 lässt sich vom Heim-Fileserver zu einem ordentlichen Debian-Computer umrüsten.

Während der Original-Slug ein Fileserver für Privatanwender ist, mit dem sich sonst nichts Weiteres anstellen lässt, macht die Installation von Debian Lenny einen echten Linux-Rechner daraus [4]. Wer aber glaubt, man könne mit einem Slug moderne Embedded-Computer wie den 300 Euro teuren Soekris Net5501 oder den Alix 2D13 zu 150 Euro (jeweils betriebsfertig samt Netzteil) ersetzen, der sei eindringlich gewarnt: Die Intel-XScale-IXP420-CPU des NSLU2 ist ein Stromsparer in ARM-Architektur und deshalb entsprechend langsam.

Problematischer als die geringe CPU-Leistung ist aber der Umstand, dass der Slug lediglich 32 MByte RAM besitzt. Zum Betrieb kleiner Applikationen wie Owhttpd reicht dies aus und auch Asterisk läuft problemlos, solange man ihm nicht viel abverlangt. In jedem Fall ist es ratsam, auf dem USB-Stick, den man als Festplattenersatz betreibt, einen Swap-Bereich anzulegen.

Pakete im Schneckentempo

Wie eng der Gürtel beim Slug sitzt, zeigt sich schon, wenn ich mit Apt Pakete installiere. Gleichgültig wie viele oder wenige Pakete ich mit einem »apt-get install«-Aufruf eingespielt habe - das Kommando brauchte mindestens 45 Minuten. Als während der Nmap-Installation sowohl Owhttpd als auch Asterisk liefen, dauerte das sogar fast sechs Stunden.

Während die Grundinstallation eines Minimalsystems mit dem Debian-Installer etwa vier bis fünf Stunden braucht, vergeht die meiste Zeit also mit der Nachinstallation benötigter Pakete. Positiv sei erwähnt, dass man die OWFS-Software (Owhttpd, Owserver und Ähnliches) ohne Weiteres auf dem NSLU2 selbst übersetzen kann und für das Kompilieren an sich nur rund eine halbe Stunde braucht. Doch wahre Nervenstärke ist dabei gefordert, vorher die benötigten Tools und Devel-Pakete einzuspielen.

Wer mehr als einen einzelnen Slug benötigt, kann deshalb viel Zeit sparen, wenn er nach der Installation und Konfiguration des ersten Geräts den USB-Stick klont, der als Festplatte dient. Auf der Eins-zu-eins-Kopie sind einige Konfigurationsdaten anzupassen, vor allem aber die MAC-Adresse in der Datei »/etc/udev/rules.d/70-persistent-net.rules«. Andernfalls lässt sich das Ethernet-Interface nicht konfigurieren und der Kleincomputer ist nicht per Netzwerk erreichbar.

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