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Neues bei Debian

Debianopolis

von Martin Loschwitz
Erschienen im Linux-Magazin 2010/02

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

In einem Interview mit dem Onlinemagazin "ITwire" hat Steve McIntyre Stellung zu Debian Squeeze genommen [1]. Das Projekt hoffe, so Debians Projektleiter, den Anwendern von Debian und Ubuntu eine ähnliche Upstream-Versionen anzubieten. Der von Mark Shuttleworth angestrebten Release-Kooperation erteilt er derzeit jedoch eine Absage.


Abbildung 1: Warten auf Debians Freeze? Eine sechsmonatige Verzögerung Ubuntus, um mit Debian Feature-gleich zu sein, würde Shuttleworth kaum hinnehmen. Copyright: mem-film.de, Photocase.com

Abgebremst

Der Projektleiter erwartet den Squeeze-Freeze im März 2010 und die stabile Release zumindest noch vor der zehnten Debian-Konferenz Debconf vom 1. bis 7. August 2010 in New York City. Das wäre für den Feature-Freeze von Ubuntu Lucid Lynx zu spät, der turnusgemäß im April 2010 erscheint. Zwar hat Ubuntu-Mäzen Mark Shuttleworth die Bereitschaft erkennen lassen, das Release-Datum nach hinten zu verschieben, wenn er damit anderen Distributionen ermöglicht mitzuhalten. Allerdings würde ein an Debian angelehnter Ubuntu-Freeze im März 2010 dafür sorgen, dass Lucid Lynx nicht vor August erscheint. Im Oktober 2010 wäre turnusmäßig jedoch schon der Nachfolger von Lucid fällig. Eine solche Verzögerung würde Shuttleworth kaum hinnehmen (Abbildung 1).

McIntyre hält sich in dem Interview eher bedeckt, was Ubuntu angeht. Das mag daran liegen, dass seine Amtszeit im April endet und er nicht zum dritten Mal zur Wahl antritt. Verbindliche Terminaussagen könnten also McIntyres Nachfolger belasten. Aber auch davon unabhängig scheint das Verhältnis zwischen beiden Distributionen jetzt eher kühl zu sein - Optimismus hört sich jedenfalls anders an.

In Gang gebracht

Im Gegensatz zu den organisatorischen Schwierigkeiten könnte die neue Formatspezifikation für Quellpakete zumindest auf technischer Ebene eine bessere Kooperation von Debian und Ubuntu ermöglichen. Raphael Hertzog hat im November die Version 3.0 des Debian-Source-Formats eingeführt [2], die ein großes Problem lösen soll: die Handhabung von Patches.

Unter erfahrenen Debian-Entwicklern ist es verpönt, Patches für ein Programm direkt auf den Quelltext anzuwenden, aus dem später in einem automatischen Buildprozess das neue Debian-Paket entsteht. Stattdessen etablierte sich in den letzten Jahren die Praxis, Patches separat in ein Unterverzeichnis zu legen. Möchte jemand ein Paket nachbauen, erfährt er aus »debian/«, welche Weiterentwicklungen des Quellprogramms zu beachten sind. Das Problem ist, dass es kein standardisiertes Ablagesystem gibt, sondern viele Wege nach Rom führen: Dpatch [3] war eine der ersten Spielarten, später kam Quilt [4] dazu.

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