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Bücher über Monitoring mit Nagios

Tux liest

von Jens-Christoph Brendel
Erschienen im Linux-Magazin 2010/01

Für lange Winterabende haben die Fachverlage einige dicke Bücher über Monitoring herausgebracht. Um zwei davon soll es hier gehen: Die überarbeitete Auflage von Wolfgang Barths umfangreichem Nagios-Buch und ein "Praxisbuch" zum gleichen Thema von Tobias Scherbaum.

Seit dem ersten Nagios-Wälzer von Wolfgang Barth hat sich die Monitoringsoftware weiterentwickelt, schon allein das Erscheinen von Version 3 rechtfertigt eine zweite, erweiterte Auflage. Aber kaum liegt die Neuauflage nun auf dem Tisch, steht im Dezember nach sieben übersprungenen Releasenummern Nagios XI vor der Tür und auch bei den Erweiterungen und Plugins ist nach der Drucklegung wieder manch bemerkenswerte Neuerung hinzugekommen. Der Wettlauf ist also kaum zu gewinnen, aber immerhin bleibt der Autor am Ball.

Überblick und Details

Das Konzept ist dabei wie schon in der ersten Auflage darauf ausgerichtet, eine möglichst umfassende Übersicht über die weitverbreitete Open-Source-Monitoring-Lösung zu geben. Einem praktischen Schnelleinstieg zu Beginn des Bandes schließen sich detaillierte Kapitel an, die lokale und entfernte Checks, Plugins, Erweiterungen, das Benachrichtigungssystem und verteiltes Monitoring behandeln.

Ein eigener Buchteil widmet sich dann dem klassischen Webinterface sowie Tools zur Visualisierung von Performancedaten und Statusabfragen wie Nagvis, Nagios Grapher oder PNP. Im Anschluss geht es um spezielle Einsatzfälle. Hier versammeln sich recht heterogene Anwendungen, nämlich das Monitoring von Windows-Servern und von SAP-Systemen, des Raumklimas sowie einer Untermenge von Ereignissen, die in Logfiles aufschlagen. Andere Ereignisse behandelt etwa das SNMP-Kapitel an anderem Ort. Schließlich kommt auch die Entwicklung von Nagios-Plugins nicht zu kurz: Am Beispiel von Perl-Skripten demonstriert der Autor, wie sich jeder Admin selber einfache Plugins schreiben kann.

Mehr als 700 Seiten liest niemand so einfach nebenbei und es fragt sich auch, ob es überhaupt sinnvoll ist, ein solches Buch von vorne bis hinten durchzulesen. Aber als Referenz zu sehr vielen Fragen und Problemen, auf die Admins beim Umgang mit Nagios stoßen könnten, leistet es gute Dienste.

Info



Wolfgang Barth:

Nagios

Open Source Press 2009

740 Seiten, 30 Euro

ISBN: 978-3-937514-91-8

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Beispiel-CD

Das "Praxisbuch Nagios" bringt eine Live-CD mit. Wer diese startet, landet etwas unerwartet auf der Kommandozeile: Im Hintergrund läuft ein Nagios-Server, der Dienste auf dem eigenen Host überwacht, dessen Webinterface aber nur von einem zweiten Rechner aus zu erreichen ist. Ist der zur Hand (oder kommt alternativ die ebenfalls auf der CD befindliche virtuelle Maschine zu Ehren), blickt der Admin von dort aus auf eine Miniatur-Statusübersicht, in der sich naturgemäß kaum etwas ändert und so gut wie keine Events aufgelaufen sind.

Das mag zwar einen ersten Eindruck vermitteln, sehr viel weiter hilft es aber vermutlich nicht. Allerdings lässt sich das System auch später für Konfigurationsübungen nutzen, die das Buch anhand eines Beispiels durchexerziert. Doch auch hier bleibt notwendigerweise das meiste fiktiv und funktionslos. Daher stellen sich die wahren Aha-Effekte wohl erst dann ein, wenn der Leser das Gezeigte auf seine eigene Umgebung zu übertragen versucht.

Das Praxisbuch ist keine Referenz und es geht auch nicht übermäßig tiefgründig auf Nagios-Interna ein. Es sucht seine Stärken in der Demonstration eines praktischen Beispiels, findet dabei aber oft nicht ganz die richtige Schlagdistanz. So erläutert der Autor etwa anlässlich der Entwicklung eines kleinen Plugins in PHP tatsächlich, dass das Skript mit einer Shebang-Zeile beginnen muss (»#!/usr/bin/php«), verwendet im Anschluss dann aber relativ kommentarlos eine spezielle Library für Microsoft- und Sybase-Datenbanken, die beispielsweise mit dem zuvor ebenfalls angesprochenen Oracle niemals funktionieren kann.

Ein Leser, der sich schon bei den ersten Schritten als Skriptprogrammierer helfen lassen musste, nimmt diese Hürde womöglich nicht - wem das klar ist, dem war auch die Shebang-Zeile schon bestens vertraut. Wer über diese kleinen Schwächen hinwegsieht und sich gerne an Beispielen orientiert, der findet hier ein Buch, das viele Problemstellungen der Praxis beleuchtet. (mhu)

Info



Tobias Scherbaum:

Praxisbuch Nagios

O'Reilly, 2009

270 Seiten, 40 Euro

ISBN: 978-3-89721-880-2

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