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© MorzKer, Photocase.com

RFC 5550 entschlackt IMAP für mobile Mailclients

Lemonade für unterwegs

von Alexey Melnikov
Erschienen im Linux-Magazin 2009/12

IMAP und Co sind prima Protokolle für zuhause. Unterwegs auf Kleingeräten verwendet, fallen geringe Bandbreiten, knappe Prozessorleistungen und unterbrochene Verbindungen plötzlich ins Gewicht. Die Lemonade-Arbeitsgruppe steuert mit einem eigenen RFC gegen.

Blackberrys und I-Phones sind die Vorboten der mobilen Komponente des Kommunikationszeitalters. Bald zählt "Ich war gerade nicht am Arbeitsplatz" nicht mehr als Entschuldigung, eine wichtige E-Mail nicht gelesen zu haben. Im technischen Begleitgeschwader dieses Umbruchs fliegt seit August diesen Jahres Lemonade mit, "The Internet Email to Support Diverse Service Environments" (Internet-E-Mail zur Unterstützung verschiedener Dienst-Umgebungen).

Dieser Artikel stellt Lemonade so vor, wie RFC 5550 [1] das Protokoll-Bündel beschreibt, und untersucht seine Eignung für mobile E-Mail. Der Standard ist ein Produkt der Lemonade-Arbeitsgruppe [2] innerhalb der Internet Engineering Task Force (IETF). Im Kern fußt Lemonade auf SMTP [3], IMAP [4] und der Sieve Mail Filtering Language [5],[6], was eine gute Basis für E-Mail auf mobilen Endgeräten wie PDAs, Handys und Laptops bildet. Lemonade erweitert diese Protokolle so, dass es die Performance und Funktionalität der mobilen Endgeräte optimiert (Abbildung 1).


Abbildung 1: RFC 5550 ist ein Produkt der Lemonade-Arbeitsgruppe und fußt auf SMTP, IMAP und Sieve.

Lemonade serviert

Standard-IMAP speichert Mails auf dem Server und versetzt den Client in die Lage, Nachrichten selektiv herunterzuladen - wichtig für Geräte, die eine begrenzte Arbeits- und Speicherkapazität aufweisen. Lemonade nimmt sich der Themen an, die sich aus der oft niedrigen Bandbreite und hohe Latenz der Mobilverbindungen ergeben:

  • Es erweitert SMTP und IMAP so, dass es den Overhead bei der
    Base-64-Kodierung binärer Daten in der E-Mail vermeidet
    (»8BITMIME« [7], »BINARYMIME« [8],
    »BINARY« [9]).
  • Es verringert Traffic (TLS-Komprimierung in SMTP und IMAP [10],
    »COMPRESS=DEFLATE« [11] in IMAP).
  • Schnelle Neusynchronisierung der Mailbox [12],[13].
  • Verbesserte serverseitige Such- und Sortierfähigkeiten
    [14], [15], [16].
  • Die Funktion "Weiterleiten ohne Download" [17],
    [18], [19], [20], die den Austausch zwischen dem Lemonade-Client
    und -Server beschreibt, um das Einliefern von neuen
    E-Mail-Nachrichten zu ermöglichen, die Content aus anderen auf
    dem Server gespeicherten Nachrichten einschließt.
  • Lemonade konvertiert Anhänge [21].
  • Unterstützen von Benachrichtigungen aus Mailstores [22],
    [23].
  • E-Mail-Verarbeitung beim Zustellen [24], [25], [26].
  • Verbesserte Fehlermeldungen, Benachrichtigung beim Zustellen
    von Nachrichten und so weiter.

Obwohl RFC 5550 ein relativ neues Dokument ist, gibt es bereits Implementierungen, die viele Features umsetzen.

8-Bit-Clean-Transport

Bei Standard-SMTP und -IMAP müssen die Clients binäre Anhänge Base-64-kodieren und -dekodieren, weil beide Protokolle keine 8-Bit-Daten zulassen. Das (De-)Kodieren verbraucht zusätzliche CPU-Leistung, was bei manch kleinen Gerät wie einem Handy zu Problemen führt. Da Base 64 die Anhänge um ein Drittel anschwellen lässt, steigt das Übertragungsvolumen, was unter Umständen dem Benutzer Kosten beschert.

Mit der »BINARY IMAP«-Erweiterung kann der Client Anhänge im rohen, binären Format down- und uploaden. Dank der »8BITMIME«- und »BINARYMIME«-SMTP-Erweiterungen übertragen Clients die Nachrichten selbst als Binaries. Steht »IMAP BINARY« oder »8BITMIME«/»BINARYMIME« nicht bereit, muss der Client entweder eine Kopie der Nachricht über SMTP Base-64-kodiert senden und uploaden. Alternativ überträgt er zwei Versionen der Nachricht: Eine mit binären Anhängen und eine mit Base-64-kodierten. Die meisten SMTP-Server, darunter Postfix, Sendmail oder MS Exchange unterstützen »8BITMIME«, viele Clients ebenfalls und manche verlangen es gar.

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