©Arvydas Kniuksta, 123rf.com
Was Neatx kann und was Google damit vorhat
Dunkle Wolken
von Markus Feilner, Harald Milz, Bastian Kames
Erschienen im Linux-Magazin
2009/11
Google kommt mit Neatx über den Linux-Terminalserver-Markt. Weil NX perfekt in die Cloud-Strategie passt, befürchten Pessimisten eine neue Dominanz. Zu Recht?
Als Google im Juli 2009 seine eigene Linux-Terminalserver-Software Neatx ([1], Abbildung 1) veröffentlichte, kam in der Open-Source-Welt wieder einmal Unruhe auf. Skeptiker verfolgen dort ohnehin mit Argusaugen jeden Schach- zug des Suchmaschinenriesen. Zu groß scheint die Macht der Petabytes des Informationskraken.

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Abbildung 1: Auf den ersten Blick ist kein Unterschied erkennbar: Auch mit Nomachines Client klappt der Zugriff auf einen Neatx-Server. Allerdings fehlen dem noch die meisten Features.
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Dabei hat sich Google, vor allem im Vergleich zu Microsoft, noch nicht so viele negative Schlagzeilen geleistet. Trotzdem erklärt eine stattliche Anzahl mahnender Stimmen aus der freien Welt, Google löse den Windows-Hersteller als Feindbild Nummer eins ab.
Böse oder Wicht?
Zuletzt hatte der Gigant für Unmut gesorgt, als er mit dem Browser Chrome einen Frontalangriff auf Firefox unternahm. Und jetzt drängt auch noch seine Python-Variante eines NX-Servers [2], auf den Markt freier Terminalserver. Natürlich werden die Vertreter des Searchproviders nicht müde, ihre Gutmütigkeit zu beteuern. "Google won\'t be evil" [3], so lautet das heruntergespulte Credo der Marketingabteilungen. Vorstände verweisen auf das breite Engagement für freie Software und die vergleichsweise offene Lizenzpolitik. Aber irgendwie schafften sie es bisher trotzdem nicht, alle Vorurteile und Bedenken aus der Welt zu räu- men. Wenn Google dann noch Software herausbringt, die offensichtlich in Konkurrenz zu bestehenden freien Projekten steht, wie das bei Neatx und Chrome der Fall ist, bleiben die warnenden Stimmen natürlich nicht aus.
Für andere Experten kam die Entwicklung jedoch wenig überraschend und stellt nur einen konsequenten nächsten Schritt in der Cloud-Entwicklung dar, den Googles Stephen Shirley bereits 2007 auf der Free-NX-Mailingliste ankündigte [4]. Aufgrund von Unzulänglichkeiten ("Tausende Zeilen Bash- und Expect-Skripte", [5]) nahm der Konzern offensichtlich bereits kurz danach wieder Abstand von dem Projekt und begann seine eigene Implementierung.
Identische Bibliotheken
Wie ihre Konkurrenten Free NX [6] und X2go [7] verwendet diese die freien Bibliotheken, die der römische Hersteller Nomachine [8] 2003 unter der GPL veröffentlicht hatte. Die Libraries stellen intelligentes, ans X-Protokoll angepasstes, adaptives Caching und Proxying zur Verfügung und ermöglichen flüssiges Arbeiten auch über niedrige Bandbreiten und mit vergleichsweise hohen Latenzzeiten.
Instabile Verbindungen, zum Beispiel übers Handy, profitieren von automatischen Suspend- und Resume-Mechanismen. Den Sicherheitslayer übernimmt der Standard-SSH-Server. Nxagent, Nx- proxy und Nxclient tauschen über binäre und Text-Komponenten des Protokolls die Daten aus. Freie NX-Clients existieren für fast jede Betriebssystemplattform und überbieten sich gegenseitig an nützlichen Funkti- onen. Damit passt NX gut ins Konzept jeder Firma, die überlegt, eine eigene Wolke zu bauen. Bei Google heißt das Zauberwort Ganeti [9]. Das "Cluster Virtual Server Management Software Tool" setzt auf KVM oder Xen auf und soll dem Admin das Management gleich einer ganzen Herde von virtuellen Systemen ermöglichen.
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