Gran Canaria Desktop Summit 2009
Gemeinsam unter Palmen
von Mathias Huber
Erschienen im Linux-Magazin
2009/09
Erstmals haben die beiden Projekte KDE und Gnome eine gemeinsame Entwicklerkonferenz veranstaltet. Das Linux-Magazin war vor Ort und hat auf dem Gran Canaria Desktop Summit die aktuellen Trends für den Open-Source-Desktop aufgespürt.
Endlich gibt es den einen richtigen Ort, an dem sich alle treffen, die am freien Desktop arbeiten." So formulierte der Gnome-Entwickler Dave Neary in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem KDE-Vorstand den Kerngedanken des Gran Canaria Desktop Summit (GCDS, [1]). Vor rund zwei Jahren tauchten die ersten Pläne für eine gemeinsame Veranstaltung auf, vom 3. bis 11. Juli 2009 tagten nun rund 850 KDE- und Gnome-Entwickler zusammen in der Stadt Las Palmas.
Sugar zu Gast
Dabei blickten die Teilnehmer auch über die Grenzen der beiden großen Open-Source-Desktops hinaus. Unter den geladenen Keynote-Rednern war Walter Bender von den Sugar Labs. Er präsentierte das pädagogisch orientierte Sugar-GUI, das ursprünglich für den so genannten 100-Dollar-Laptop OLPC entwickelt wurde. Open-Source-Software eigne sich besonders zum Lernen, betonte Bender, sie lasse sich nicht nur kostenlos verbreiten, sondern sei geprägt von einer Kultur des Teilens und der Diskussion.

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Abbildung 1: Von links nach rechts: Das Alfredo-Kraus-Auditorium hat viel Stil – aber ein schwaches Netzwerk. Richard Stallman trat als Heiliger IGNUcius auf, Will Stephenson von Akonadi warb dafür, den PIM-Datendienst in viele Anwendungen zu integrieren. Seif Lotfy stellte Gnome Zeitgeist vor.
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Für einigen Diskussionsbedarf sorgte die Keynote von Richard Stallman. Er appellierte an die Zuhörer im Alfredo-Kraus-Auditorium, die Programmiersprache C# zu meiden, denn sie sei möglicherweise durch Microsofts Patente belastet.

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Abbildung 2: Das Alfredo-Kraus-Auditorium am Strand Las Canteras: Das Konzertgebäude diente dem Summit als Veranstaltungsort der ersten zwei Tage.
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Das empfanden einige Teilnehmer als pauschale Verdammung von Mono und allen freien Anwendungen, die darauf setzen. Eine Fragestellerin warf Stallman vor, damit diskriminiere er selbstherrlich die Arbeit vieler Desktopentwickler, die sich mit dieser Technologie beschäftigen. Der Auftritt des GNU-Gründers als komischer Heiliger St. IGNUcius mit seiner etwas verunglückten Bekehrung aller "Jungfrauen in Sachen Emacs" sorgte für weitere Verstimmung.
Im Zeichen von Gnome 3.0
Stallmans Äußerungen fanden zwar Widerhall in zahlreichen Blogeinträgen, waren aber untypisch für den Desktop Summit. Die KDE- und Gnome-Anhänger in bunten Projekt-T-Shirts, eine ganze Generation jünger als der bärtige Veteran, hatten anderes im Sinn. Viele Sitzungen der Gnome-Community beispielsweise standen im Zeichen der nächsten großen Release, der für 2010 geplanten Gnome 3.0.
Dazu gehört Gnome Shell [2], wobei es sich nicht um eine Kommandozeile handelt, sondern um eine Schicht, die neue Interaktionen zwischen Desktop und Benutzer bieten soll. Der Entwickler Owen Taylor demonstrierte in seinem Vortrag eine Gnome-Shell-Anwendung, die zahlreiche virtuelle Desktops mit Anwendungen für bestimmte Tätigkeiten verwaltet.

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Abbildung 3: Gnome Shell erlaubt eine neue Sichtweise auf virtuelle Desktops. Dahinter stecken die Bibliothek Clutter und Javascript.
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Gnome Shell ist in der kommenden Gnome-Version 2.28 als optionales Zubehör vorgesehen, in Gnome 3.0 soll es als Standard den Desktop verwalten. Als Unterbau dienen die Clutter-Bibliothek sowie der neue Windowmanager Mutter. Gnome Shell ist hauptsächlich in Javascript geschrieben.
Großes Interesse zeigten die Teilnehmer auch an dem Vortrag von Federico Mena-Quintero, Seif Lotfy und Thorsten Prante über Gnome Zeitgeist [3]. Die Software beantwortet Anfragen wie "Wo ist das Arbeitsblatt, das ich am Dienstag in der Uni-Bibliothek entworfen habe?" Zeitgeist besteht aus einer Engine, die Ereignisse (Events) protokolliert, und einer Ansicht (Journal), die diese Daten dem Anwender aufgearbeitet und sortierbar präsentiert.
Mit diesem Ansatz kommt Zeitgeist dem episodischen Gedächtnis des Menschen entgegen, das sich Tätigkeiten und Erlebnisse merkt. Das Team betonte, seine Engine sei keine Desktop-Suchmaschine, sondern protokolliere schlicht Ereignisse. Auf dem Summit trafen sich die Zeitgeist-Entwickler allerdings mit den Machern des Indexers Tracker und des KDE-Semantik-Framework Nepomuk. Gemeinsam schmiedeten sie Pläne für eine Integration ihrer Dienste - im besten Sinne einer projektübergreifenden Arbeit an der Zukunft des freien Desktops.
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