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Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

von Carsten Schnober
Erschienen im Linux-Magazin 2009/06

Webcams sind omnipräsent - die Videotelefonie via Internet gibt der Kommunikation eine persönliche Note. Aber erst mit Anwendungen wie Cheese und Webcamstudio erschließt sich das kreative Potenzial der Internet-Telefonie.

Das Internet macht manchem Futurologen einen Strich durch die Vorhersage. Noch in den 90er Jahren datierten Science-Fiction-Erzählungen Bildtelefone als Standardausstattung erst von Haushalten späterer Jahrhunderte. Doch schon viel früher, als die Autoren es sich vorstellen konnten, betrat das Breitband-Internet den Massenmarkt, kurz danach folgten preiswerte Webcams. Damit waren die technischen Möglichkeiten von Videokonferenzen gegeben. Von einem Tag auf den anderen gehörten sie für jedermann zum Alltag.

Weit verbreitet

Spätestens seit dem Einzug der Netbooks in den Computermarkt gehören Webcams zur Standardausstattung des digitalen Bürgers (Abbildung 1). Auch Linux-Nutzer bleiben nicht mehr, etwa wegen fehlender Treiber, außen vor (siehe Kasten "Linux und Webcams"). Kreative Geister haben längst mehr Potenzial in den kleinen Kameras entdeckt als nur zweckorientierte Telekommunikation.


Abbildung 1: Magisches Auge: Die eingebaute Webcam macht fast alle Netbooks zur mobilen Skype-Station. Dank des UVC-Standards haben Anwender von Kernel 2.6.26 (oder neuer) gute Chancen, dass sie unter Linux läuft.

Lächeln!

Wenn in der Englisch sprechenden Welt ein Fotograf seinen Kunden wenigstens das Imitat eines Lächelns ins Gesicht zaubern will, fordert er sie auf "Cheese" zu sagen. Der breite Vokal sorgt für die gewünschte Mimik. Daher rührt auch der Name des Projekts Cheese ([5], Abbildung 2).


Abbildung 2: Cheese nimmt Bilder und Videos mit einer angeschlossenen Webcam auf und versieht sie mit Effekten – die unscharfe Sicht im Bild beispielsweise ruft der »Würfel«-Filter hervor.

Die Gnome-Software erinnert stark an die proprietäre Apple-Software Photo Booth. Sie schießt Fotos und nimmt Videos mit Hilfe der Webcam auf. Für besonderen Spaß sorgen die Effekte (Abbildung 3): Zwölf Filter verändern das Bild beispielsweise durch den Austausch einzelner Farbtöne oder durch Verzerrung.


Abbildung 3: Zwölf Effekte stehen zur Auswahl, um aufgenommene Bilder zu verfremden. Das ist zwar nichts für nüchterne Videokonferenzen, doch wer dem Spieltrieb freien Lauf lässt, hat seinen Spaß daran.

Den größten Teil der Programmoberfläche nimmt das von der Kamera aufgenommene Bild ein. Um es zu speichern, genügt ein Klick auf »Aufnahme starten«, nachdem man sich zuvor für »Foto« oder »Video« entschieden hat. Der »Effekte«-Button führt zu den frei kombinierbaren Filtern. Wer beispielsweise eine gefärbte Würfelansicht möchte (Abbildung 2), aktiviert beide Schaltflächen und kehrt mit einem erneuten Klick auf »Effekte« zurück zur Hauptansicht. Dort ist der gewählte Effekt direkt zu sehen.

Einige der Effekte stellen allerdings Anforderungen, die nicht nur Netbooks, sondern auch leistungsfähige Rechner ins Straucheln bringen, insbesondere bei Video-Aufzeichnungen.

Hauptentwickler David Siegel [6] hat die Arbeit an Cheese im Rahmen des Google Summer of Code 2007 begonnen. Danach ließ er das Projekt jedoch nicht ruhen und lädt ausdrücklich dazu ein, eigene Ideen beizusteuern. Am 1. April hat er auf seiner Homepage schon einige Anstöße gegeben.

Das Veröffentlichungsdatum deutet zwar darauf hin, dass sie nicht ganz ernst gemeint sind. Dennoch liegt ihnen eine interessante Idee zu Grunde: Wenn sich ein bestimmtes Gesicht in den Bereich der Webcam bewegt, sollen künftige Cheese-Versionen - der Veröffentlichung vom 1. April zufolge - beispielsweise einen Spielzeugraketenwerfer per USB abfeuern, oder, wenn die Software einen Hund erkennt, automatisch dessen Fressnapf öffnen. Die Komplexität einer automatischen Bilderkennung macht die Umsetzung solcher Ideen schwierig. An ernsthaften Verwendungsmöglichkeiten für die Gesichtserkennung fehlt es aber ebensowenig wie an Anstrengungen, das Problem in den Griff zu bekommen [7].

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Kommentare (1)
von
Stefan,
11.05.2009 20:56
Empfehlenswert
Ein sehr leckeres Rezept, kann das Nachkochen nur empfehlen