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Konzept freier Programme auf dem Prüfstand
Freie Fahrt
von Anika Kehrer
Erschienen im Linux-Magazin
2009/04
Am Anfang einer GPL-Software steht ein Entwickler mit seiner Passion, kein Geschäftsführer mit seinem Businessplan. Die Praxis zeigt, dass Software zu verschenken keine ruinöse Vertriebsform ist und dass Spezialisten von dem freien Entwicklungsprinzip beflügelt werden. Zwei Beispiele.
Festplattenspiegelung über das Netzwerk - das hörte sich anno 1999 für den Informatik-Studenten Philipp Reisner (Abbildung 1) eher langweilig an. Er war an der Technischen Universität Wien auf der Suche nach einem Diplomarbeitsthema. "Auf der Busfahrt nach Hause ist mir gedämmert, dass dieses Thema für viele Server wichtig ist", erinnert er sich an die Zeit des beginnenden Hochgeschwindigkeits-Internets. Also entstand DRBD [1], das für den Datengleichstand auf Festplatten über ein TCP/IP-Netzwerk sorgt (siehe Kasten "Distributed Replicated Block Device"). Ansatzpunkte gab es nur wenige, sagt Reisner heute: "Mit der Entwicklung habe ich so ziemlich auf der grünen Wiese begonnen."

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Abbildung 1: Die GPL-Software DRBD geht zurück auf den Österreicher Philipp Reisner, der damit erstmals Festplatten über das Netzwerk spiegelte.
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Eigene Firma nötig
Den Sourcecode hat Reisner ein Jahr später veröffentlicht. Bald wandten sich Firmen an ihn. Noch bevor das Studium abgeschlossen war, liefen für den Diplomanden wegen DRBD bereits Bewerbungsgespräche. Als Angestellter in Wien führte er das GPL-Projekt weiter, konnte allerdings die vermehrten Anfragen von Unternehmen nicht entgegennehmen. "Die schickten einen 40-seitigen Vertrag, und hier war niemand, der das unterschreiben konnte", so Reisner, "ich habe ihn noch nicht mal verstanden." Also gründete er im Jahr 2001 das Systemhaus Linbit GmbH, das auch Support für DRBD anbot.
Hohe Hürde
Reisners heutiger Chefentwickler war das erste Community-Mitglied, das nach einiger Zeit Code zu DRBD beisteuerte. Die Anwender waren zahlreicher als die Entwickler, denn die Einstiegsschwelle für DRBD liege recht hoch, sagt Reisner. Anscheinend lohnt sich die Mühe: "Viele Open-Source-Unternehmen verwenden die Community als Brutstätte für ihre Mitarbeiter", weiß der Firmengründer. DRBD ließ er quelloffen [2] - allerdings nicht, ohne auch einmal das konventionelle Lizenzierungsmodell zu versuchen.
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