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Die Open-Source-Trends des Jahres

Stars 2009

von Ulrich Bantle
Erschienen im Linux-Magazin 2009/02

Zum Jahreswechsel schmieden auch Linux-Entwickler Pläne. Welche Virtualisierungstechnik setzt sich durch, wird Btrfs einsatzreif? Lichtet sich der Dschungel der Videocodecs und bootet Linux bald sicherer? Das Linux-Magazin deutet die Linux-Zukunft 2009 und startet mit einem resümierenden Rückblick.

Den Titel "Frühstarter ins Jahr 2008" verdiente sich Jimmy Wales. Und wenn der Wikipedia-Gründer Wales ein neues Projekt ins Leben ruft, darf er sich der Aufmerksamkeit der Branche gewiss sein (Abbildung 1).


Abbildung 1: Jimmy Wales versucht mit Wikia Search einen neuen Coup nach dem Wikipedia-Prinzip.
(Bild: © Andrew Lih)

Früher Vogel

So geschehen auch im Januar mit seinem neuesten Baby, der Wikia Search. Für die Suchmaschine, deren Index sich aus den Surfgewohnheiten der Benutzer speist, versprach Wales jenen freie Einsicht, statt wie die Branchenriesen Google & Co. Algorithmen als Geschäftsgeheimnisse zu hüten. Er versprach sich wohl einen ähnlichen Erfolg wie bei Wikipedia. Allein die Popularität der Suchmaschine stellt sich nicht recht ein. Nach ihrem Start im Januar und Relaunch im Juni hat [http://search.wikia.com] noch nicht das Entwicklungsstadium verlassen.

Im Januar startete auch der Linux-Desktop KDE 4.0.0. Dass nicht alle geplanten Features es in die neue Version geschafft hatten, nährte die Zweifel, ob die Release nicht zu früh erfolgt sei. KDE-Entwickler wie Aaron Seigo traten mit dem Argument die Verteidigung an, dass Behörden, Firmen und Privatpersonen, die eine stabile KDE-Version benötigen, vorerst weiterhin KDE 3 einsetzen sollen. KDE 4.0.0 solle vor allem Entwickler dazu motivieren, den Desktop zu testen und Bugreports zu schreiben. So geschah es auch. KDE 4.0.0 erfüllte seinen Zweck als Fehlersammler. Im Sommer folgte KDE 4.1, das sich ausgereifter zeigte.

Inhalt

28 | Virtualisierung

Die Technik ist da, aber erobert Virtualisierung auch den Alltag
der Admins? Sind Datacenter bald nur noch virtuell? Und geht noch
etwas bei den Tools?

30 | Dateisysteme

Mehr Bits in CPUs und weiter steigende Kapazitäten von
Festplatten fordern ihren Tribut: Kommt endlich die neue Generation
von Dateisystemen?

32 | Multimedia im Wohnzimmer

Zig Codecs und ungezählte Containerformate ärgern
Anwender, die nach Feierabend Filme genießen wollen. Die
Roadmap zum Multimediagenuss ist lang.

34 | Schnelles und sicheres Booten

Quälend ist die Zeit, die ein Notebook zum Start
benötigt. Beängstigend ist die Frage, ob das Ergebnis
auch das ist, was der Anwender sich vorstellt.

36 | Profi-Distributionen

Wer Linux in der Firma einsetzt, legt Wert auf Stabilität,
muss aber auch mit abgehangener Software leben. Zeit für neue
Releases von Red Hat und Novell.

Spätzünder

Eigentlich hätte das neue Debian 5.0 mit dem Codenamen Lenny im September erscheinen sollen. Doch wie bei der vorangegangenen Release Etch gibt es auch dieses Mal Verspätungen im Fahrplan. Die Liste kritischer Fehler (Abbildung 2) wird zwar kürzer, auf einen Termin für die fertige Version will sich gleichwohl niemand festlegen. Die weitreichendsten Spekulationen sehen den Sommer 2009 als realistisch an, Optimisten deuten die flache Linie als Vorboten einer Freigabe noch im Januar.


Abbildung 2: Abnehmende Kurve: Die Liste der kritischen Bugs in Lenny. Der Trend ist erkennbar, aber einen Releasetermin mag niemand daraus ableiten.

Verspätet hat sich auch Open Office 3.0. Die Entwickler hatten sich entschlossen, drei statt einem Release Candidate zu veröffentlichen. Mitte Oktober war es dann aber so weit: Das Open-Office-Projekt schickte Version 3.0 ins Rennen auf den von Microsofts Office dominierten Markt der so genannten Bürosoftware, bestehend aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationstool. An Anwendern fehlt es der freien Software nicht: Schon nach zwei Tagen zählten die Entwickler eine Million Downloads.

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