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Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher Macher

Projekteküche

von Carsten Schnober
Erschienen im Linux-Magazin 2008/11

Das freie, grafisch aufwändige Spiel Yo Frankie, in dem der Spieler ein Flughörnchen durch eine bunte 3D-Welt steuert, ist fast fertig. Derweil steht die KI-Forschung noch vor großen Problemen, doch das Dialogprogramm Freehal liefert einen Einblick in den aktuellen Stand.

Trotz seines Rufs als konsolenzentriertes System stecken in Linux erstaunliche grafische Fähigkeiten, die auch große Kinoproduktionen wie "Shrek" und "Madagaskar" nutzten. Mit dem 3D-Programm Blender [1] haben Filmkünstler schon einige freie Kurzfilme veröffentlicht, die sich sehen lassen können [2].

Nachdem das Blender-Team selbst zwei Filme produziert hat - "Elephant\'s Dream" [3] und "Big Buck Bunny" [4] - arbeitet es nun an einem Spiel, das auf Blender-Technik basiert (Abbildung 1). Es trägt entsprechend dem per Online-Wahl ausgedrückten Willen der Blender-Community den Namen Yo Frankie [5]. Der Spieler übernimmt die Rolle eines bereits aus Big Buck Bunny bekannten Flughörnchens. In Egoshooter-Perspektive sammelt das Tier Boni und Nüsse ein, die im Notfall als Waffe dienen.


Abbildung 1: Mit Blender und Crystal Space entsteht das 3D-Spiel Yo Frankie. Mit typischen Egoshootern hat es die Perspektive gemein, der Spieler steuert aber statt schießwütiger Killer ein possierliches Flughörnchen.
(Bild: © Blender Foundation, apricot.blender.org)

Das ehrgeizige Projekt ist seit Anfang des Jahres in Arbeit, nun hat das Team eine erste spielbare Demo für Linux veröffentlicht. Die aktuelle Vorabversion gibt einen ersten Eindruck der Qualität des pazifistisch angehauchten Egoshooters und lässt den Spieler bereits eine kleine virtuelle 3D-Welt erkunden, die allerdings noch keine echten Abenteuer bietet.

Yo Frankie steht unter freier Lizenz und baut auf dem ebenfalls freien 3D-Entwicklungs-Kit Crystal Space [6] auf. Den Download der Preview-Version [8] übernimmt Zero Install [7]. Auch die Blender-Datei, die der räumlichen Welt zugrunde liegt, steht zur Verfügung, der Spieler darf sie mit dem 3D-Programm studieren und verändern (Abbildung 2).


Abbildung 2: Die frei verfügbare Blender-Datei gewährt Einblick in die grafischen Grundlagen von Yo Frankie und lässt auch erfahrene User noch lernen.

DVD-Verkauf

Bei Yo Frankie handelt es sich um ein Projekt mit professionellem Organisationsgrad, dessen Mittel vor allem die Blender Foundation und die Crystal Space Foundation vorstrecken. Sie kümmern sich um finanzielle und Marketing-Belange von Blender beziehungsweise Crystal Space und planen, zumindest einen Teil der Ausgaben für die Yo-Frankie-Entwicklung durch den Verkauf des Spiels auszugleichen. Darunter fallen Kosten für Hardware, Räume, Reisen und Spesen, für die das Entwicklerteam dankenswerterweise nicht selbst aufkommen muss.

Die DVD soll 34 Euro kosten, aber da es sich um freie Software handelt, ist der Kauf natürlich nicht verpflichtend. Dieses Finanzierungsmodell setzte die Blender Foundation bereits bei dem freien Film Big Buck Bunny ein. Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann bereits jetzt eine DVD vorbestellen. Ihr Hauptinhalt ist der erste Teil des Yo-Frankie-Spiels. Der Name der ersten Episode lautet "A Furry Vendetta" (auf Deutsch: Eine haarige Vendetta).

Neben dem Spiel selbst finden DVD-Käufer auf dem Datenträger ein Walkthrough-Video, das die Spiellösung verrät. Außerdem zeigen zahlreiche Tutorials, wie man eigene Charaktere und Level bastelt, und führen in die hohe Kunst der 3D-Computeranimation ein. Im Detail ist das letzte Wort über den Inhalt noch nicht gesprochen, die Entwickler rufen zur Meinungsäußerung auf.

Zu Redaktionsschluss war der ursprünglich angesetzte Termin zur Fertigstellung, August dieses Jahres, bereits über einen Monat überschritten. Das neue Ziel heißt Ende September - ob die Entwickler es erreicht haben, zeigt ein Blick auf die Yo-Frankie-Homepage [5].

Mein Freund, der Computer

Können Maschinen denken? Mit dieser Frage beschäftigen sich Informatiker schon seit Gründung ihrer Wissenschaftsdisziplin. Alan Turing, ein Pionier der Informationstechnologie, hat im Jahr 1950 ein Verfahren entworfen, um diese Frage zu beantworten: Ein Mensch stellt über Tastatur und Bildschirm Fragen an zwei Gegenüber, die er weder direkt sieht noch hört. Einer der Gesprächspartner ist menschlich, der andere eine Maschine. Kann der Fragesteller den Computer nicht vom Menschen unterscheiden, hat die Maschine den Turing-Test bestanden und gilt als intelligent.

Turing prognostizierte seinerzeit, dass bereits im Jahr 2000 mindestens in 70 Prozent der Fälle die Unterscheidung von Mensch und Maschine in diesem Test unmöglich sein werde. So optimistisch sahen jedoch nur frühe Pioniere die Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Inzwischen musste die Wissenschaft viele Rückschläge einstecken. Kritiker des Turing-Tests meinen ohnehin, dass Gesprächsführung nicht mit Intelligenz gleichbedeutend ist.

Auch wenn die Realität im Jahr 2008 Turings Erwartungen hinterherhinkt, gibt es auf dem Gebiet der maschinellen Dialogführung dennoch Fortschritte. Das Projekt Freehal ([9], Abbildung 3) gehört in diesen Bereich. Es hat im jährlich stattfindenden Wettbewerb Chatterbox Challenge [10] dieses Jahr den Preis "Beliebtestes Programm" gewonnen.


Abbildung 3: Das freie KI-System Freehal lernt aus jedem Gespräch, indem es Fragen stellt.

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